19.12.2019

Briefe



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ID: 2890 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 26.12.1851
 

Leipzig d. 26 Dec.
1851.

Geehrtester Herr Doctor!

So gern ich auch von Ihnen erst eine Zuschrift in Händen gehabt hätte, die mir so werthvoll gewesen, so wage ich es doch nicht, darauf länger zu warten. Empfangen Sie daher geehrter Herr Doctor meinen herzlichsten Dank für die große Auszeichnung die Sie mir durch die Didication der fünf Cello Stücke zu Theil werden laßen. Ich weiß nicht wodurch ich diese Freude und große Ehre verdient habe, und wie ich Ihnen dafür danken soll. Oft gedachte ich Ihres Versprechens, daß Sie mir diese Stücke von Düßeldorf senden würden und konnte sie kaum vor Ungeduld erwarten. – Und nun diese große unerwartete Freude! An vielen Orten in Leipzig so auch kürzlich in Grimma und Oschatz habe ich diese Stücke mit dem größten Beifall vorgeführt. Leider ist nur zu bedauern daß es uns gegenwärtig recht fühlbar an guten Clavierspielern fehlt – doch darüber will ich heute lieber nicht zu Ihnen sprechen, so wie überhaupt über unsere jetzigen musikalischen Zustände nicht, denn diese sind leider nicht sehr erbaulich. Was ich für meine Person thun kann, thu ich zwar jederzeit redlich doch sind die musikalischen Kräfte gegenwärtig gering vorhanden. Nicht ohne große Mühe besorge ich die Musik Abende beim Herr Dr. Härtel. Alle 14 Tage wird dort Musik vor gewählten Kreisen gemacht. – Normann Radecke Röntgen und Becker sind die mitwirkenden Musiker. Kürzlich führten wir das herrliche Clavier Quartett von Ihnen dort auf welches den größten Enthusiasmus hervorrief. Überhaupt gewinnen Ihre Werke hier täglich an Boden. Namentlich die jüngere Generation wie die Musik Schüler mit denen ich ebenfalls viel umgehe, schwärmen ganz besonders dafür. Bei Herrn Raÿ. Härtel wurde kürzlich nach langer Pause endlich auch mal wieder Musik gemacht. Herrn Goldschmidt, den ich auch dort wußte wollte ich gern Ihr erstes Trio vorführen. Natürlich sprach ihn dasselbe <sehr> so wie die Gesellschaft sehr an. Radecke u. Becker wirkten dabei mit. Was mich betrifft so denke ich daran noch mit einigem Schauer. Ich war nämlich erst seit einigen Tagen von Leutzsch wieder eingezogen und hatte leider diesen Sommer wenig Gelegenheit gehabt größere Musikstücke zu hören, um so mehr erfreute mich daher an dem Abend dieses Trio und versetzte mich durch seine Schönheit in eine wirklich fieberhafte Stimmung, die den ganzen Abend anhielt. Der Erfolg Ihrer neuen Sinfonie wird Ihnen bereits gewiß bekannt sein. Sie hat beim ersten Mal bei der größeren Menge entschieden angesprochen. Den 30sten wird dieselbe noch wie ich höre in der Euterpe aufgeführt werden. Den 20sten war zum Geburtsfest der Frau Dr. Wilhelmy (Dr. Wilhelmy ist der Beschützer von Ihrem Reimers) in Reudnitz größere Gesellschaft. Herr Carl Lampe der ein außerordentlich großer Verehrer aller Ihrer Werke ist war auch dort, wo ich denn auch Ihr herrliches Quintett, wenn auch nur mit Musikschüler[sic], doch recht brav zur Aufführung brachte. So hoffe ich diesen Winter mit den jungen Leuten mir noch manchen Genuß zu verschaffen, und mich dabei stets dankbar Ihrer zu erinnern. Von Preußers mit denen ich in letzter Zeit auch mehrere M[ale in] Berührung gekommen bin, habe ich auch erfahren daß sich Ihre werthe Familie wieder um ein Glied vermehrt hat! Empfangen Sie deshalb meinen innigsten Glückwunsch. Ihrer geehrten Frau Gemahlin bitte ich mich aufs herzlichste zu empfehlen. Schließlich noch das Versprechen daß ich stets bemüht sein werde dieser Auszeichnung mich würdig zu machen und Ihnen erst dadurch meinen Dank am deutlichsten zu beweisen.
Hochachtungsvoll
Ihr ergebener Andreas Grabau

[BV-E, Nr. 4352:] A. Grabau. [Versand:] fr. [beantwortet:] + [Bemerkung:] X

  Absender: Grabau, Andreas (558)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (15143)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
422-425
 



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