19.12.2019

Briefe



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ID: 3055 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 12.02.1854
 

Sonntag.

Geliebter Meister!

Ich habe vor Postschluß bloß noch Zeit die Demetrius-Ouverture, welche ich eben vom Kopisten bekommen habe und beifolgend übersende, mit den allerherzlichsten Grüßen vom jungen Indier und mir zu begleiten. Die Uebersendung der Ouverture geschieht deshalb so eilig, weil ich gar zu gerne bald von Ihnen über dieselbe hören möchte. Zu meiner natürlichen Sehnsucht nach Ihrem Urtheil überhaupt kommt diesmal noch, daß das Werk zu dem Stück von Grimm, welches jetzt in Berlin gegeben wird, womöglich gespielt werden soll, was ich aber nur dann mit ruhigem Gewissen zugeben könnte, wenn Sie nicht gegen mein Werk wären und dessen Aufführung nicht widerriethen [sic]. Wollen und können Sie also mir bald die Partitur mit einigen Worten zurücksenden, so wäre das mir Befreiung aus der Ungewißheit. Die Ouverture ist stark instrumentirt; vielleicht rechtfertigt es der heftige Charakter ihres Pathen und der Umstand, daß sie für’s Theater sein soll. Eigentlich wollte ich, daß sie <einen> den recht leidenschaftlichen Gegensatz einer gewaltsamen Natur zu dem „ Trauermantel „ Hamlet bilden sollte; jedenfalls ist sie aber mehr Wolfsmilchraupe, als sonst etwas. Zum Glück arbeite ich jetzt wieder recht fleißig an meiner Prinz Heinz-Ouverture. Das soll endlich ein rechter Distelfinke werden!
Adieu für heute! Ihr und Ihrer Frau
treu ergebener
Joseph Joachim

In Eile

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
125f.
 



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