19.12.2019

Briefe



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ID: 3063 Brieftext


Geschrieben am: Montag 09.01.1854
 

Am <1>9ten Januar 1854

Lieber, gütiger Meister,

Wie kann ich Ihnen nur danken, für die angekündigten Festtage, die uns Ihr und Ihrer Frau Wohlwollen zudenkt! Das ist ja zu herrlich, daß Sie uns eine Woche in Hannover schenken wollen, und Brahms und ich haben schon gestern, um uns einen kleinen Vorschmack der kommenden Tage zu geben, in aller Freudigkeit Ihre Fantasie mit all ihrer Innigkeit und Frische vorgespielt. Sie haben doch Recht, sie dem Klavier-Stück in Dmoll gleichzustellen: ich gewinne sie immer lieber und freue mich auf Donnerstag Abend, an dem ich Sie in Leipzig gegenwärtig wünschte. Am nächsten Sonnabend gedenke ich wieder von Leipzig zurückzukehren, dann werde ich gleich alle Schritte thun, um alles so bequem wie möglich für Ihr Kommen einzurichten. Für heute nur noch die Frage, was Sie und Ihre Frau zu der Programm-Skizze sagen, die jetzt folgt, und bei der ich nur zu bedenken bitte, daß auf eine Menge durch jede Hof-Anstellung, mitgebrachte Kleinlichkeiten Rücksicht zu nehmen ist, die hier durch den guten Willen des Grafen Platen weniger grell hervortreten, aber immer vorhanden sind:
a) Ouverture zu Genoveva
b) Gesang
c) Concert in Esdur Beethoven

V. S.

d) Ouverture Meeresstille und glückl. Fahrt
e) Fantasie für Violine von Schumann
f) Gesangsstück
g) Soli für Klavier von...

Halten Sie es nicht für unbescheiden, daß ich mich als Solist betheilige: Graf Platen wollte durchaus ein Bogen-Instrument auch in’s Programm bringen, weil im vorigen <auch> Concert keines vertreten war, und hätte ich nicht Ihre Fantasie vorgeschlagen, so hätte man am Ende ein ganz unpassendes Stück in’s Programm gebracht. Aber schreiben Sie ja ganz aufrichtig, wenn Ihnen oder Ihrer verehrten Frau etwas nicht in der Anordnung zusagt; ich möchte mich gerne für Sie beide in Stücke zertheilen und hoffe genug Energie in mir zu haben, alles durchzusetzen, was Ihnen Freude macht.
Immer ganz
Ihr Joachim

Ich schreibe Sonntag jedenfalls wieder, und jedenfalls genauere Nachricht wegen Paradies u. Peri u. s. w.

  Absender: Joachim, Joseph (773)
Absendeort: Hannover ]
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
119ff
 



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