15.07.2019

Briefe



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ID: 3200 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 07.09.1849
 

Helgoland 7 Sept 1849.
Entschuldigen Sie freundlichst, Verehrter Freund, dass ich Ihnen so spät meine Complimentirung über Ihre Faust’s Verklärung darbringe; Sie wissen ja schon seit lange welchen wahrhaften Antheil ich an der Entfaltung Ihres Genius nehme. Dieses schöne und grossartige Werk, hat in Weimar den schönsten und grossartigsten Eindruck hinterlassen. Die Chöre waren durch Freund Montag vortrefflich einstudirt; Fräulein Aghte, und Schröck, und die Herrn Schneider, Höfer und Schulz, begeisterten sich im Vortrage der Solos, und die Wirkung des Ganzen war eine herrliche. Meines Erachtens nach würde allerdings das Werk noch gewinnen wenn Sie dem 1ten Chor eine längere Symphonische Introduction, welche das mystische Element, den eigentlichen Schauplatz der ganzen Scene, dem Ohr und dem Gemüth der Zuhörer mehr einprägte, vorausgehen liessen. Im Falle Sie diese Meinung nicht missbilligen, so wird es Ihnen ja eine geringe Arbeit sein ein paar hundert Takte welche sich aus dem Kern selbst der Vocal Composition leicht gestalten könten, noch vor der Herausgabe des Werkes als Ouverture hinbeizufügen. Wenn [sic] kommt Ihre Oper zur Aufführung? Bis Ende October gedenke ich wieder in Weimar einzutreffen, um dort den ganzen nächsten Winter zu verweilen. Sollte Ihre Oper erst im November einstudirt sein, so avisiren Sie mich gefälligst davon, um dass ich die erste Vorstellung nicht verfehle. Empfehlen Sie mich freundschaftlich Ihrer lieben Frau, und bleiben Sie mir gut, so wie ich Ihnen
aufrichtig ergeben
F Liszt

  Absender: Liszt, Franz (964)
  Absendeort: Helgoland
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 164ff.
 



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