19.12.2019

Briefe



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ID: 3430 Brieftext


Geschrieben am: Montag 08.10.1849
 

Leipzig d. 8t Octbr. 49.

Liebes Vetterchen

Du wirst sagen: siehe da! vom Vetter! Noch nicht da gewesen! - daher wirst Du gleich denken; es ist gewiß eine Bitte. Recte cogitasti! - Doch ich bitte blos für meine Collegen. Unsere 4 Hornisten gaben mir den Auftrag Dich zu bitten, <Ihren> das noch ungedruckte Horn - Quartett mit Orch. Bgl. ihnen auf eine kurze Zeit zur Abschrift zukommen zu lassen. Sie geben Dir auf ihr Ehrenwort das Versprechen, es nicht weiter zu verborgen, sie wollen es blos wenn man es ihnen erlaubt, im Abonnem. Conc. im Gewandhause zur Aufführung bringen. Du würdest den Leuten eine ungeheure Freude machen, wenn Du mir bald per Post die Partitur zuschicktest. - Gestern spielten wir Deine reizende B dur Symph. wieder. Ach! hättest Du die gehört! Die Kerls waren feuer u Flamme und jetzt ist ihnen die Symph. nicht mehr so fremd, als bei der damaligen ersten Aufführung, sie schütteln sie nur so heraus, daß es eine Lust ist. Rietz, (obwohl vielleicht nicht gerade Dein Freund u Du nicht Rietzens;) hatte sie dennoch gut ein Andirt. Rietz bleibt noch ans Theater für die großen Opern u Lorzing für die ältern u kleineren Opern. In der Symph. nahm gestern Rietz im ersten Satz das Allegro doch etwas zu schnell, wurde aber dann nach u nach etwas gemäßigter. Dein Fr. Dr. Reuter<> hat es ihm nach dem Conc. gesagt, daß er den ersten Satz zu schnell genommen habe (es waren aber, wie gesagt nur die ersten 30-40 Takte) Rietz antwortete ihm darauf: Haben Sie etwas Undeutliches oder Mislungenes gehört. Nein, sagt Reuter, das nicht! Rietz: Nun also! Ich habe es nicht von ferne weiter deutl. gehört, nur so viel, Reuter hat sich übrigens für die gute Aufführung bei Rietz bedankt, gleich als ob er der Componist wäre! u Stechens u andere haben darüber gelacht! - Uns. Conc. scheint übrigens diesen Winter nicht ganz so überfüllt zu sein. - Dr Kullak spielt so weit recht schön; doch an seinen Compos. ist nicht viel.- Noch einmal von der Symph. anzufangen, bald hätte ich die Hauptsache vergessen, sie wurde so bejubelt, jeder Satz u am Schluß viel bravo geschrien. Nun grüße Dein liebes Klärchen herzl. von mir, sie spielt doch den Winter wieder einmal bei uns u wir werden uns dann sehen. Ist es Dir mögl. u Du thust es nicht ungern, so mache den Hornisten die Freude u schicke das Quartett bald

Dein
aufricht. u treuer Vetter
Ernst £.
Stieglitzens Hof 4 Trep.

Sr. Wohlgeboren
Herrn Dr. Robert Schumann.
Componist
in
Dresden.
Waisenhausstr.
(ungefähr No. 6?)
frei.

[BV-E, Nr. 3727:] Pfund. [beantwortet:] NB. [Versand:] fr.

  Absender: Pfundt, Ernst Gotthold Benjamin (1183)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (15143)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
628ff
 



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