19.12.2019

Briefe



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ID: 3436 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 11.12.1851
 

Leipzig d. 11 Decbr. 51.


Liebes Vetterchen

Nicht umhin kann ich – ich muß Dir einige Zeilen schreiben, wie sehr uns Deine schöne neue Symphonie gefallen hat. Die Recensionen über sie und ihre Aufführung am Montag in uns. Orchest. Pensionsfond-Concert wirst Du wohl in der Brockhaus. Allgemeinen u in der Leipz. Muhme gelesen haben. Die Symph. war von Rietz – das kann man nicht anders sagen – sorgfältig einstudirt – und ging, eine unbedeutende Kleinigkeit abgerechnet, sehr gut. – Dem größeren Publicum war der 2te u 5te Satz am verständlichsten u beide wurden daher am vollsten applaudirt; die Musiker aber, denen sie, wie gesagt, ungeheuer gefällt, halten den letzten Satz für den schwächeren Theil. Die vortreffl. Horn Solo im 2ten Satz blies Pohle u alle 4 ohne mir irgend zu kixen, ganz vortrefflich; die Kerls transponiren aber u blasen es auf anderer Stimmung, soviel ich bemerkt habe. – Weißenborn meinte, die Düsseldorfer Musiker hätten die Symph. für schwer erklärt; unsere Musiker sagen aber, daß sie leichter sei, als Deine vorhergehenden. – Der reizende 2te Satz ist aber doch Schumann durch u. durch! – Die eine Recens. rühmt nun den ersten Satz als den großartigsten, die andere wieder den 4t Satz. – Die Hornisten lassen sich Dir bestens empfehlen u für überschicktes Quart. Conc. herzlich danken; überhaupt lassen Dich alle grüßen und Dein Clärchen; besonders aber der Cello-Wittmann, der ganz begeistert war. Ob David nach Köln kommt, wirst Du am Ende besser wissen, hier <ist>wird es noch für ungewiß gehalten. < Also diesen Sommer war ich, weil wir 7 Wochen kein Theater hatten, 3 Wochen in London u 1 Woche wieder in Paris, wo ich mich ganz außerordentl. amüsirt habe. In der Ausstellung war ich 5mal, jedesmal 3-4-5 Stunden lang. Mit mir war der alte Kaufmann Jünger von hier, der reiche Tuchfabrikant Hermann von Bischofswerda u mein Vetter Blesky von Bautzen. Auf dem Rückweg fuhr ich den einen Tag von Brüßel bis Düsseldorf. Ich ging mit Blesky <> Abends in der Dämmerung nach 9 Uhr noch bis <> auf den Markt Eurer Stadt hinein, ich fragte auch einige Leute nach Dein[sic] Logis, sie wußten es aber nicht u nach 9 Uhr zu Dir zu kommen, schien meinem Vetter Blesky nicht recht schicklich. Ich, wär ich allein gewesen, hätte so lange gefragt bis ich Dich gefunden; allein so hing ich von ihm ab, Ihr würdet es mir gewiß nicht übelgenommen haben u wäret Ihr selbst im Begriff gewesen, schlafen zu gehen, ich wollte ja Euch nur auf 5 Minuten sehen u sprechen. Wir wohnten aber draußen bei Bahnhofe u früh zeitig mußten wir wieder fort. – In London besuchte ich Rackemann der sich aber dort nicht sonderlich gefällt, auch besuchte ich den Berlioz der der Prüfung der Instrum. wegen von Paris aus auf die Exhibition geschickt war, auch Formes habe ich besucht, auch habe ich die Sonntag im Theater gehört. In Paris sah ich den Prophet. – Wiecks befinden sich so weit wohl, Caecilie ist schon 6 Wochen hier bei Kunzens ihrer Gesundheit wegen, die Leipziger Luft scheint ihr besser zu bekommen.
Nun gieb Deiner lieben Clara einen herzl. Kuß in meinem Namen und grüße sie herzinnig von mir, auch Wasilewsky. In der Hoffnung Dich mit Deiner lieben Frau bald einmal hier zu sehen, verharrt in alter Liebe u Freundschaft

Dein
aufricht. Vetter
Ernst Pfundt.

Wenzel befindet sich wohl, aber Reuter geht dem Grabe näher zu, es ist offenbar Auszehrung.














  Absender: Pfundt, Ernst Gotthold Benjamin (1183)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
643-646
 



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