19.12.2019

Briefe



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ID: 3449 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 08.09.1850
 

Leipzig am 8t Sept. 1850.

Sie müssen es mir erlauben, Ihnen, lieber Herr Dr. Schumann, wenigstens schriftlich meinen herzlichsten, innigsten Dank zu sagen, für die große Freude die Sie mir bereitet haben! Wie leid war es mir Sie nicht selbst sehen zu können1 und Ihnen mündlich auszusprechen wie beglückt und überrascht ich bin daß Sie diese herrlichen, lieben Waldscenen mir zu eignen wollen! Dürfte ich Ihnen die Hand drücken für Ihre mich so sehr erfreuende Güte, Sie und Ihre liebe theure Frau überhäufen mich mit unverdienten Beweisen der Freundschaft, aber glauben Sie mir auch, mein Herz ist ein fruchtbarer Boden, und was Sie Beide gepflanzt, verwelkt darin nicht wiede[r(?)]
Ich kann mich noch nicht an den Gedanken gewöhnen, daß ich Sie und Ihre liebe Frau viele Monate nicht wiedersehen soll – ich denke so oft an die schönen Tage zurück w[o(?)] Sie bei uns waren, an alle die unvergeßlich schönen Stunden die mir durch Ihre Gegenwart zu Theil wurde – für alles dieß möchte ich Ihnen noch aus tiefstem Herzen danken, – aber kann man eigentlich aussprechen was man innig fühlt? – ich vermag es leider gar nicht, aber mit desto klareren Worten steht es in meinem Innern geschrieben! Möchte es Ihnen nur recht in Düsseldorf gefallen, und Sie Sich bald recht heimisch fühlen! Hoffentlich höre ich bald durch Ihre liebe Frau von Ihrer Aller Ergehen! – Wie oft werde ich mit heißer Sehnsucht wünschen in Düsseldorf zu sein, wenn erst im Winter Ihre Concerte angehen, und ich auf dem Lande im Norden von England nur das eigne Spiel zum Ersatz für alle music habe! Aber dann werden mir die Waldscenen die schönste Erquickung sein, ich möchte es Ihnen noch besonders danken daß ich sie jetzt schon in der Abschrift besitzen darf; ich werde sie viel spielen & und sie hoffentlich in Erinnerung der Ermahnungen Ihrer Frau so studiren, daß ich Sie [sic] Ihnen im Frühling wo wir gewiß über Düsseldorf zurückreisen, vorspielen kann!
Die Eltern sowie meine Schwester tragen mir die herzlichsten Grüße an Sie auf; dem Vater geh[t(?)] es Gott sei Dank täglich besser! Darf ich Sie noch bitten inliegendes Briefchen Ihrer lieben Frau am 13ten zu geben? –
Genehmigen Sie nochmals meinen herzlichsten innigsten Dank!
Mit wahrer aufrichtiger Verehrung
Ihre Ihnen sehr ergebene
Annette Preußer

[BV-E, Nr. 3994:] Annette Preußer. [beantwortet:] + [Versand:] fr.

  Absender: Preußer, Annette (1203)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
273ff.
 



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