Flensburg d 30sten Novbr 1840.
Montag ist’s heute, und Festtag für mich!
Denn an diesem Tage nehme ich hier Platz vor dem Bilde unseres lieben Künstlers –, und träume die Fortsetzung der freundlichen Augenblicke welche noch den letzen [sic] Abend in der Burgstraße zu Leipzig mir zu Theil wurden –; ich sehe also unsern trauten Künstler, höre seine ewig schönen Märchen welche die Tasten uns erzählen, höre seine Novelletten singen von wunderbaren Dingen, – von ewigem Schmerz u ewiger Wonne, – von grauser Nacht und Frühlingssonne!! –
Hören Sie, freundlicher Mensch u Meister!: Dann ists Festtag in meiner Seele, – Augenblicke des Seelenlebens – , Einbildung u Sehnsucht tragen mich davon über Berge u Flüße nach dem schönen Leipzig und zu – ? nun, zu dem was uns so lieb ist – , folglich auch zu Ihnen u Ihrer Clara – ; mögte dann auch gerne |2| einmal erzählen von Vatergefühlen wenn das Kind in der Fremde Liebe, Schutz und offne Herzen gefunden! – Ja, Freund! (was sagte ich!?) Die Eltern hoffen, daß Sie und Ihre liebe Clara den schönen Anfang Ihrer Protection über unser Kind auch fortsetzen, – unser Dank kann nie aufhören!
Die Eröffnung solcher Gedanken u Empfindungen wie die obigen sind, werden Ihnen, würdiger Künstler, hoffentlich eben so willkommen seyn als hätte ich seinerzeit Ihnen eine trockene Gratulation zu Ihrer Verbindung eingesandt –, wie ich denn überhaupt ein Feind bin von dergleichen Formalitäten – ; ja, wenn nur etwas Poesie in mir wäre und über hausbackene Irisgedanken mich erheben könnte – . Die Gratulation unterblieb, wehrend unsere Wünsche für Sie zum Himmel stiegen –
Ganz Naturgemäß werden Sie’s denn nun auch finden wenn die Eltern einigen Worten von Ihnen bald entgegensehen, – warum u worüber – das sollte ich Ihnen noch sagen – ? – Zum Referat über das Concert am 3ten December werden Sie denn auch, wie |3| gewöhnlich, Ihre Feder in Roth tunken – ; doch, wer „Träumereien“ schreiben kann, will nur Wohlwollen und Beglücken. –
In dankbarer Verehrung und Liebe, wie solche der eine Mensch dem andern nur zu widmen vermag, harren wir hier fern, und bitten Sie, sich in einer liebreichen Novellette bald zu nahen denen die voll Sehnsucht sind. –
Ihr ergebener
Rieffel.
Diejenigen Ihres trauten Kreises in der Burgstraße welche ich zu kennen die Ehre habe, wollen Sie gütigst von mir grüßen. –
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