19.12.2019

Briefe



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ID: 3497 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 25.10.1850
 

Verehrter Herr Doctor!

Sie haben mich durch die freundliche Zueignung der Fugen unendlich erfreut, aber zugleich eben so sehr beschämt, denn wahrlich, ich fühle mich einer solchen Auszeichnung nicht werth! Die Fugen finde ich je mehr ich sie spiele, je schöner und schöner, doch sind es bis dahin die zweite und dritte, für die ich eine ganz besondere Vorliebe gewonnen. Nehmen Sie denn meinen herzlichsten Dank für die große, große Freude, die Sie mir bereitet haben. Daß ich die Absicht habe, im Januar mit Königslöw nach Paris zu gehen, ist Ihnen vielleicht schon bekannt, und werden wir uns dann wohl die Freude machen, auf der Reise dorthin in Düsseldorf Station zu machen u. einen Tag Rast zu halten. Sie werden und dann vielleicht auch einige Briefe an Ihre Pariser Freunde mitgeben? namentlich würde mir ein Brief an St. Heller sehr erwünscht sein. Es wird mich dann zugleich sehr interessiren, mündlich etwas Näheres über den, nun zwar gescheiterten Plan, zu hören, mich in Ihre Nähe zu bringen.
Einen recht schönen Sommer hab‘ ich erlebt; die Lind haben wir hier gehabt, und in meinem Concerte so[gar zu?] hören! Sie sang auch Ihren Sonnenschein. Später machte ich eine<n> herrliche Reise durch die Schweiz u. bis Mailand; seitdem aber sitze ich ganz ruhig hier in Bremen u. arbeite; das neueste größere Werk , das ich vollendet ist eine Ouverture, die ich hier in diesem Winter noch zu hören hoffe. – Ein neuer Flügel aus Breitkopf u. H.‘s Fabrick, den ich mir jetzt habe kommen lassen, zieht mich indeß jetzt so häufig an sich, daß darüber weniger denn sonst zum Componiren gekommen bin. Auch habe ich einmal wieder etwas von Ihnen arrangirt, und zwar „Am Springbrunnen“, aus dem 4händigen Album, für zwei Hände. Es ist übrigens recht schwer geworden, doch macht es stets viel Glück wenn ich es vorspiele. Das Album wird hier viel gespielt und zählt gar viele Verehrer, zu deren größten ich gehöre. Endlich haben wir nun auch den Propheten gehabt ich halte mich nicht für befugt, über eine Meyerbeer’sche Oper ein apodiktisches Urtheil zu fällen, aber ich bin nie mit leererem Herzen aus der Oper gekommen als ich hineinging u. muß offen bekennen, daß die Meyerbeer’sche Musik nicht die Meine ist. Dr. Töpken so wie die Familie Finke grüßen auf das
herzlichste zurück. – Schließlich noch, verehrter Herr Doctor, die freundliche Bitte, inliegende Zeilen an Wasielewski gütigst an denselben gelangen lassen.
Mit den herzlichsten Grüßen, zugleich an Ihre Frau Gemahlin bleibe ich in steter Anhänglichkeit
Ihr ergebener
Carl Reinecke

Br. 25sten Oct. 1850.

Herrn
Herrn Dr Robert Schumann
in
Düsseldorf
frei

[BV-E, Nr. 4038:] C. Reinecke. [beantwortet:] + [Versand:] fr.



  Absender: Reinecke, Carl (1243)
  Absendeort: Bremen
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
729-732
 



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