19.12.2019

Briefe



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ID: 3502 Brieftext


Geschrieben am: Montag 07.08.1848
 

Hamburg, d. 7t Aug. 1848

Geehrter Herr Doctor!

Kaum in Hamburg angekommen, konnte ich es fast nicht erwarten, zu Herrn Schuberth zu gehen, um ihm en passant zu erzählen, womit Sie mich beauftragt hatten, und bemerkte zu meiner größten Freude, daß er sehr viel Lust zeigte, sich das Eigenthumsrecht des einen Trio zu erwerben; zwar sprach er viel von Mangel an Geld in jetzigen schlechten Zeiten, doch glaube ich trotz dessen, daß er nächstens bei Ihnen deshalb anfragen wird, vielleicht gar selber zu Ihnen kommen wird, da er Morgen nach Leipzig reis‘t.
Die Transcription Ihrer Lieder (nach denen übrigens schon jetzt in Leipzig mannichfache Nachfrage war) soll nun allernächstens in Stich gegeben war [sic]; bei meinem jetzigen kurzen Aufenthalte bei Ihnen vergaß ich überall die schönen neuen Eindrücke und über die Freude, Sie wiederzusehen, durchaus, Sie, <zu fragen>, oder vielmehr Ihre Frau Gemahlin zu fragen, ob dieselbe die Freundlichkeit haben würde, die Zueignung anzunehmen? Darf ich Sie um freundliche Antwort hierauf bitten, damit der Stich des Titels nicht deshalb verzögert werde? – In Folge Ihrer freundlichen Aufforderung gegen mich, auch einige Ihrer Myrthen Lieder zu übertragen, ließ ich, um mich nicht selber anzubieten, durch Herrn Grabau bei Kistner anfragen, ob derselbe zu solch‘ einer Herausgabe bereit wäre; Kistner erklärte sich bereit dazu, falls er durch Sie selber zu der Herausgabe einer solchen Bearbeitung veranlaßt würde, damit er sicher sei, daß Sie durchaus damit einverstanden seien. Da mich nun die Arbeit ungemein interessiren würde, so bitte ich Sie freundlichst, Kistner’n durch einige Worte wissen zu lassen, daß Sie mit solcher Herausgabe einverstanden sind. – Gern gäbe ich jetzt meinem Herzen noch Luft durch warme Worte des Dankes gegen Sie und Ihre Frau Gemahlin für all die Freundlichkeit und Theilnahme die Sie mir jetzt und so lange ich das Glück habe, Sie zu kennen, bewiesen, doch würde ich nicht die Hälfte von dem sagen, daß ich zu sagen meinte, und hoffe ich, daß die Züge meines Gesichtes Ihnen besser meine Gefühle verrathen haben mögen! Herr Raymund Härtel hat mir mit dem Medaillon von Ihnen u. Ihrer Frau noch ein für mich unschätzbares Geschenk gemacht, Sie werden <I>ihn jetzt in Dresden sehen; bitte<n> grüßen Sie ihn. Mit fernern herzlichen Grüßen an Ihre Frau Gemahlin, u. auch an Mad. Petersen, falls Sie dieselbe noch sehen, verbleibe ich
in wahrer Verehrung
Ihr herzlich ergebener
Carl Reinecke

Herrn
Herrn Dr Robert Schumann
in
Dresden
Große Reitbahngasse No 20.13

[BV-E, Nr. 3497:] C. Reinecke. [beantwortet:] NB. [Versand:] d. G.



  Absender: Reinecke, Carl (1243)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
693ff
 



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