25.02.2022

Briefe



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ID: 3503
Geschrieben am: Dienstag 19.09.1848
 

Hamburg d. 19 Sept. 1848

Ich habe soeben, geehrter Herr Doctor! durch Schuberth Ihre letzten freundlichen Zeilen vom 14ten d. M. erhalten, und beeile mich Ihnen die Revision dreier Lieder zuzusenden, welche bis dahin gestochen sind. Schuberth beabsichtigt nämlich die Lieder in 4 Heften erscheinen zu lassen, und hat bis dahin erst das erste fertig gebracht. Es sind leider die Lieder ein bischen durcheinandergewürfelt, aber da so viel Rücksicht <> auf die <Groß> Stärke der Hefte und andere Äußerlichkeiten zu nehmen sind, so habe ich ihn hierbei gewähren lassen; wogegen er mir hat versprechen müssen, jedem Liede gewissenhaft beizufügen <> welchem Hefte es entnommen ist. Sie finden den Sonnenschein anders bearbeitet, ob besser ist eine andere Sache einfacher gewiß! Ferner sende ich Ihnen „die Lotosblume“ und „Frühlingsglocken“ als zweistimmige Lieder mit Pianofortebegleitung; ich habe absichtlich die Begleitung sehr leicht gemacht; bei complicirterer Begleitung hätte sich vielleicht noch mehr Wirkung erzielen lassen, doch schien mir eine solche wieder die Singstimmen zu beeinträchtigen. Ich bitte Sie nun aufrichtig, mich <> nicht zu schonen, und <dem Liede> der Bearbeitung alle Ausstellungen zu machen, die es verdient; ich werde nicht mürb werden, daran zu bessern. – Sie haben mich sehr begierig gemacht auf die Weihnachtsüberraschung, die Sie sich ausgedacht, doch muß ich mich wohl in Geduld fassen! – Auf Ihre Oper freue ich mich gleichfalls unendlich. Bei Mad. Petersen werde ich <m>Morgen Ihr Trio spielen, welches ich schon neulich in einer Gesellschaft bei dem Concertmeister Beer aus Petersburg mit ihm und Wilhelm Grund spielte. Verzeihen Sie die Flüchtigkeit dieser Zeilen, ich leide augenblicklich an ziemlich starken Brustschmerzen, welche mir <> nicht erlauben, anhaltend zu schreiben.
Mit den besten Grüßen an Ihre Frau Gemahlin und an Sie verbleibe ich
Ihr
aufrichtig ergebener
Carl Reinecke

NB. Darf ich Sie um recht schleunige Rücksendung der Correctur wie der Drucke bitten? Um Mitte October hoffe ich in Leipzig zu sein, u. werde auch ein Pianoforte-Concert mitbringen, welches ich eben vollendet habe. Eine Introduction habe ich ebenfalls, Ihrem Rahte gemäß zu meiner Symphonie geschrieben, und glaube ich allerdings, daß das Werk dadurch gewonnen hat! Vielen Dank also für Ihren freundlichen Rath! –

Herrn
Herrn Doctor Robert Schumann
in
Dresden
Gr. Reitbahngasse17
Durch Güte des Herrn Schuberth & Comp.
Beil. ein Paquet
Musikalien.

[BV-E, Nr. 3515:] C. Reinecke. [beantwortet:] NB. [Versand:] fr.

  Absender: Reinecke, Carl (1243)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
698ff

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 20 Nr. 3515
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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