15.07.2019

Briefe



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ID: 393 Brieftext


Geschrieben am: Montag 05.09.1831
 

Meine lieben Brüder:
Ich muss Euch gestehen, dass ich eine peinliche, fast kindische Furcht vor der Cholera habe, und dass diese wenig Umstände machen wird, mich mit ihren Tatzen herauszureissen aus dem schönen, gewohnten Leben. Der Gedanke, jetzt zu sterben, nachdem ich zwanzig Jahre auf der Welt gelebt habe, ohne etwas zu thun, als Geld zu verthun, kann mich ausser mir bringen. Ich bin seit einigen Tagen in einer Art Fieberstimmung: tausend Pläne gehen mir durch den Kopf, zerfliessen wieder und kommen wieder... kurz ich bin in der fatalsten Unruhe und Unentschlossenheit, dass ich mir lieber eine Kugel in den Kopf schiessen möchte. Ich wollte Euch erst kein Wort sagen und ohne Weiteres nach Italien bis Sicilien reissen; ich verwarf es aber doch. Alle Menschen wundern sich: dass ich nicht fort fliege. In einer Stadt zu seyn, in der man binnen einer Stunde todt u. lebendig seyn kann, ist freilich nicht reizend... Es fehlt weiter nichts, als der Mutter u. Eure Einwilligung u. ich komme in vier Tagen nach Zwickau, halte mich einen Tag auf u. reise dann direct nach Rom. Freilich bringt mich die Reise aus Allem, aber doch nicht aus dem Leben oder gar in den Himmel..

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Julius (1447)
  Empfangsort: Zwickau
 



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