19.12.2019

Briefe



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ID: 4090 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 15.07.1841
 

Berlin 15 Juli 1841
Lieber Schumann!
Ihren Brief mit 8 Thalern erhielt ich gestern, mögte dies Geld eine gute Vorbedeutung sein, daß ich heute etwas in der Lotterie gewinne. Sie betrachten dies Geld als einen Vorschuß, was mir nicht recht einleuchtet. Vor mir liegt Ihre letzte Berechnung vom 13 März 1841, wonach Sie am Schluß des elften Bandes 16 Th 10 Gr. bei mir gut hatten, was auch nicht so ganz in der Ordnung war, denn es ist in der Berechnung ein sächs. Doppel-Louisd’or, den ich am 27 März 1839 von Friese erhielt mit 11 Th 12 gl berechnet, während ich nur für 10 Th 8 gl ihn vorausgeben konnte, wonach Sie also beim Anfange des XII Bandes genau ein Guthaben von 15 Th 2 gl bei mir hatten. Nach meiner Berechnung betragen nun meine Beiträge im 12 u. 13ten Bande wenigstens 32 Spalten d. s. 2 Druckbogen oder 20 Th wonach ich also circa 5 Th am Anfange des 14 Bandes gut hätte. Im 14 Bande habe ich etwa 10 bis 12 Spalten, also circa 7 bis 8 Th, so daß ich also im Ganzen 12 Th wenigstens zu fordern hätte, denn seit jener letzten Berechnung vom 21 März 1840 habe ich, so viel ich weiß, kein Geld von Ihnen bekommen. Hiernach hätte ich also am Schluß des 14 Bandes nicht nur die 8 Th, die Sie am 12 Juli eingeschickt wirklich zu fordern, sondern noch etwa 4 Th darüber. Ich verbürge nicht, daß diese meine Ansicht ganz richtig ist lieber Schumann! und darum sein Sie nur bei Leibe nicht böse, sondern belehren Sie mich umgehend eines Besseren, wenn Sie recht haben. Hier erhalten Sie einen Artikel „Dorpat“, jetzt kommt nur noch etwas über Warschau u. Posen, nicht stärker als dies, dann sind wir mit der Reise für diesmal fertig. Einen ausführlichen Artikel „Berlin betreffend“ schreibe ich jetzt, und er folgt baldigst. Wenn Sie mir nicht mehr als 10 Th pro Bogen zahlen können, so bin ich, wie schon gesagt zufrieden damit, u. bleibe Ihnen auch dafür treu. Einen großen Liebesdienst würden Sie mir aber erweisen u. mich aus peinlicher Verlegenheit reißen, wenn Sie mir nach dem Abdruck dieser Reiseartikel im 15 Bande gleich dieselben nebst dem „Pasta“, u. was ich über Berlin schicken werde bezahlen könnten. Es kann Ihnen doch nicht schwer fallen von Friese 20 bis 30 Th in einem solchen Falle anzuschaffen um mir zu helfen, und einmal von dem bestimmten Terminalzahlungsgrundsatz abzugehen. Von Ihrem guten Herzen bin ich überzeugt, daß Sie mir helfen werden, auch ohne daß Sie wissen, wie sehr noth mir diese Hülfe thut. Ich hoffe drauf lieber Freund! Können Sie ein Lied von mir für’s Album brauchen? Beilage wollt’ ich sagen. Hirschbach hab’ ich ein Paarmal über die Straße laufen sehen aber nicht gesprochen. Er will nach Leipzig hör’ ich, und von da nach Paris. In der Seele hätt’ er wol Musik die Fülle, aber im Ohr nicht, glaub’ ich. Ihre „Myrthen“ will ich kennen lernen. Taubert hat einigemal schon dirigirt, er ist nicht von dem Holze, woraus man Operndirigenten macht, hat einen fußligen Schlag, u. schleppt immer; aber still! Es ist doch ein Fortschritt, wenn er engagirt wird. Neulich war Mad. Bargiel bei mir, ohne mich zu treffen. Sie sieht sehr wohl aus. Ihrer herrlichen Frau meinen schönsten Gruß! Ist Sie auch sehr ängstlich vor der Katastrophe? Die armen Weiber! Schreiben Sie mir bald wie es steht lieber Freund! u. ob Sie meine letzte Bitte erfüllen können. Ihr alter
F. H. Truhn.

Könnt’ ich wohl in Wien leben?
Die mir fehlenden Nummern der Zeitung, um die ich schon zweimal bat, bekomme ich sie? In zwei Briefen von hier stehen sie verzeichnet.

[BV-E, Nr. 1960a:] Mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 863ff.
 



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