19.12.2019

Briefe



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ID: 4092 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 20.11.1841
 

Breslau d 20/11 41. Sonnabend.
Lieber Schumann!
Da ich mich auf Ihre Diskretion verlassen kann, so nehme ich keinen Anstand Ihnen Folgendes mitzutheilen. Auf Meyerbeer’s Veranlassung, von ihm unterrichtet, hab’ ich, um endlich mich u. meine Familie anständig durchzubringen einen neuen Lebensweg eingeschlagen: – ich bin dramatischer Sänger geworden, u. habe klugerweise auf einem Theater von dem kein Mensch in der Welt spricht, nämlich in Krakau, meine ersten Versuche gemacht. Sie finden so nur, daß mein Muth gewachsen ist. Seit 4 Wochen bin ich bereits hier, aber so krank an der Grippe, daß ich nichts unternehmen kann, – ich meine ein Conzert, denn auf der hies. Bühne werd ich schwerlich zum Singen kommen, weil die Direction für den Winter 3 Stück Tenore eingeschlachtet hat. Mit dem Conzert hat’s jedoch auch seine Schwierigkeiten, weil hier sehr vielerlei abonnirte Stadtconcerte sind, u. die Theaterdirection keinem Theatersänger die Mitwirkung in Extraconzerten gestattet. Einiges Geld muß ich nun aber hier durchaus verdienen, und das läßt sich vielleicht so erreichen: – Ernst, der Geiger wird mit Nächstem hier erwartet. Auch ihm wird die Mitwirkung von Opernsängern, wie mir bereits von der Direction erklärt worden ist, nicht gestattet werden. Er wird nach ungefährer Wahrscheinlichkeits-Rechnung 3 Conzerte machen können, u. ich will ihn in allen unterstützen, wenn er nur dafür in meinem Conzert ein Paar Pieçen spielt. Ich kenne ihn aber nicht, u. bin in so was schüchtern. Ernst ist nun aber Ihr Freund, u. wenn Sie mir einen Liebesdienst erweisen wollen, so schicken Sie mir umgehend einen hübschen, leserlichen Empfehlungsbrief an Ernst damit er mir ein freundlicher Ernst sei. Nicht wahr, Sie thun das für Ihren alten Truhn, der nun bald Alles versucht hat, zu einer ersprießlichen Existenz zu kommen. Grüßen Sie Ihre verehrte Frau u. die kleine Donna Schumann von mir, auch Mendelssohn, wenn er noch auch da ist. Für immer Ihr alter F. H. Truhn.

Per Adresse Cas[sel(?)]
Mit der baldigen Petitdruck-Aufnahme des beikommenden Manuscripts werden [Sie] sich mich sehr verbinden. Honoriren brauchen Sie es mir nicht.

Dem
Herrn Dr. Rob. Schumann
Wohlgeboren

Der Artikel ist von mir, von andrer Hand copirt, weil viel Kreuz- u. Querschreibereien drin waren u. ich nicht mehr Zeit zum Selbstabschreiben hatte.


  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Breslau
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 873ff.
 

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