19.12.2019

Briefe



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ID: 4282 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 21.10.1842
 

Lieber Schumann,

Zuerst den herzlichsten Dank Ihrer lieben vortrefflichen Frau, durch deren Bereitwilligkeit u. Güte ich von den Conzertspielen am gestrigen Tage loskam. Sie wissen wohl daß meine arme Frau schwer krank darnieder liegt; in diesem Augenblick (Nachmittags halb 5 Uhr) ist eine kleine Erleichterung eingetreten u. so benutze ich diesen heitern Augenblick in der trüben Zeit um Ihnen zu schreiben. - Ich sage Ihnen aufrichtig warum ich Ihre erste Symphonie, die ich so hochschätze u. liebe, nicht im vorigen Winter unter meiner Direktion zur Aufführung bringen konnte. Ihre 2te Symphonie ging nicht so gut als ich es gewünscht hatte und ich fürchtete der ersten, die unter Mendelssohns Leitung so schön gegangen seyn soll u. so allgemein Beyfall fand, bey weniger lebendiger u. geistreicher Direktion (ohne alle Bescheidenheit) eher zu schaden als zu nützen. Mündlich erzähle ich Ihnen über diesen Punkt zu meiner Rechtfertigung noch Mancherley. - Höchstwahrscheinlich ist Mendelssohn bald wieder bey uns und dann will ich dafür sorgen daß Ihre Symphonie gleich dran kommt; auch hoffe ich (wieder ohne alle Bescheidenheit) daß wenn ich vorspiele manche Geigenstelle mit noch mehr Aplomb wird vorgetragen werde. - Sobald meine Frau, mit Gottes Hilfe wieder wohler ist komme ich einmal mit meinem Conzert zu Ihnen. Der erste Satz muß kürzer werden, und Sie sollen mir Ihre Meinung darüber sagen. Die Symphonie von H v. Roda werde ich durchles[en] u. Ihnen das Nähere später mittheilen, doch fürchte ich daß es in diesem Winter schwer halten wird sie zur Aufführung zu bringen da bereits 3 neue angenommen sind. -
Herzliche Grüße Ihrer Frau von Ihrem
Freunde Ferdinand David

Leipzig d 21. Oct. 1842.
Sollte wider Vermuthen Mendelssohn nicht kommen u. Sie wollens mit mir riskiren, so bin ich natürlich gleich dabey, Ihre Symphonie zu dirigieren.

Herrn Dr Robert Schumann.
Wohlg.
hieselbst.
5. Inselstrasse.12

  Absender: David, Ferdinand (339)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
256f.
 



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