19.12.2019

Briefe



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ID: 448 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 13.04.1838 bis: 09.05.1838
 

Und nun Dein Bild - Was soll ich dazu sagen! Zerküßt habe ich's beinahe - ja das bist Du und der Maler ist mein guter Freund und hat Dich erfaßt und das Bild ist mein ganzer Himmel und da schau ich von den Augen zu den Lippen, dann zur Stirne, dann das Ganze wieder - wer das wohl sein mag, denke ich dann - rolle dann weiter - da kömmt die Hand und der große Titel - und nobel wie eine Prinzessin siehst Du und einfach wie ein Kind - und dann steht auch noch etwas auf diesem Engelsbild - höre Mädchen, liebst Du veilleicht? Und Du scheinst glücklich zu lieben? - Mädchen, mit ganzer Inbrunst sinke ich Dir ans Herz jetzt [...] Und denke, gestern hätte ich Dich beinah hintergangen - schon war ein Brief an Fischhof fertig mit dem Auftrag, das große Bild von Schaub [recte: Staub] für mich von der Ausstellung zu kaufen, als es mir einfiel "solltest Du da nicht erst Deine Clara fragen" und der Brief war zerrißen. Aber haben möchte ich das Bild, das nach der Lithographie zu schließen, auch ausgezeichnet gemalt sein muß. Ob Du übrigens getroffen, ich Armer weiß das kaum - wie lange habe ich Dich nicht sehen deürfen und wie wenige Minuten jedesmal! Aber das Bild ist so, wie ich mir Dich denke - die ganze Haltung, die Gestalt wie frei - und nun die Augen, die hat der Maler verstanden - höre, ist der ein junger Mann? Vor dem könnte ich Angst haben; der hat Dir tief in's Herz geschaut. Sehr blaß sogar etwas kränklich könnte man Dich nach dem Bild halten; Das bist Du doch nicht?

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Wieck, Clara, verh. Schumann, Clara (3152)
  Empfangsort:
 



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