19.12.2019

Briefe



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ID: 4506 Brieftext


Geschrieben am: Montag 06.10.1845
 

Werthester Herr Doctor!

Ich mache hiermit Gebrauch von Ihrer gütigen Erlaubniß Ihnen meine Lieder zur Durchsicht schicken zu dürfen; es sind diese nicht allein meine ersten Lieder, sondern überhaupt meine ersten Versuche in der Composition, und da ich gedenke sie der Oeffentlichkeit zu übergeben, so würden Sie mich Ihnen zu großem Dank verpflichten, wenn Sie mir darüber Ihr ganz aufrichtiges Urtheil mittheilen wollten. - Es sind sieben Lieder, jedenfalls sind zu viel für ein Heft; ich ersuche daher recht sehr um Ihren freundlichen Rath, welches davon wegzulassen ist und in welcher Reihenfolhe sie zu ordnen sind. Ich meine daß entweder das „Schilflied von Lenau“, „Mädchen mit dem rothen Mündchen“ oder das Fischermädchen wegfallen könnte; daß letztere klingt mir namentlich mit seinem Schluß etwas trivial. Finden Sie, daß ich in dem zweiten dieser drei genannten das Ritornelle in der Mitte und am Schluß ändern soll? Zu kurz. - Auch weiß ich nicht ob ich bei „Dein Angesicht so lieb und schön“ den Schluß so lassen, oder an der bekreuzten Stelle einen Takt einschieben, wie ich es auf der Rückseite angezeigt habe. - Entschuldigen Sie daß ich so frei bin Ihre Zeit in Anspruch zu nehmen, um mich von jenen Zweifeln zu befreien. - - Das gestrige Gewandhausconcert war mir durch die Verherrlichung Ihrer Frau Gemahlin ein höchst genußvolles; der Vortrag des Heuselt'schen Concerts und der Mendelssohnschen Lieder riß alle zur höheren Bewunderung hin, und Ihre Fuge hat sowohl auf mich, als auf den musikalisch gebildeteren Theil des Publicums den allertiefsten Eindruck gemacht um aber die Großartigkeit dieses Werkes fassen zu können ist die Masse des hiesigen Concert-Publicums doch nicht urtheilsreif genug. - Indem ich Ihnen im Voraus meinen herzlichsten Dank für Ihre Bemühungen sage, bleibe ich
in innigster Verehrung
Ihnen ganz ergeben
Otto Dresel

Leipzig d 6/10 1845.

Darf ich Sie bitten die Manuscripte an Whistling zurücksenden zu wollen?

Sr Wohlgeboren
Herrn Dr. Robert Schumann
in
Dresden
durch Güte

[BV-E, Nr. 3144:] Dresel. [beantwortet:] NB [Versand:] d. G. [Bemerkung:] Mit Liedern.

  Absender: Dresel, Otto (384)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
394f.
 



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