19.12.2019

Briefe



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ID: 4594 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 01.10.1846 bis: 31.10.1846
 

Altona, Oktober 1846

Geehrter Herr Doktor!

Ein inniger Verehrer Ihrer Werke, Herr Böie aus Altona, Violinist und Componist, wünscht sehnlichst Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, und kann ich nicht unterlaßen, ihm hierzu Veranlaßung zu geben, indem ich ihm diese wenigen Zeilen, welche außerdem den Zweck haben, mich bei Ihnen in gütige Erinnerung zu bringen, zur Ueberlieferung an Sie in die Hände gebe. Möge mein Freund Ihnen mündlich beßer erzählen, als ich schriftlich zu Thun vermag, wie viel frohe, glückliche Stunden wir miteinander bei Ihren Werken verlebt! Kürzlich noch brachte ich in einem Konzerte, welches ich in meiner Vaterstadt Altona gab <,>( und von dem ich, da es Ihnen vielleicht nicht ganz unintereßant, das Programm diesem Briefchen beilege) Ihr Quintett zur Aufführung, welches einen wahrhaften Enthusiasmus hervorbrachte, so daß auch nächstens in den Hamburger Quartettunterhaltungen es zur Aufführung zu bringen, beschloßen ward. Der junge Goldschmidt wird sodann die Pianoparthie aufführen. - Ich würde es wagen, Ihre Zeit durch Erzählungen von meinen Irrfahrten durch Preußen und Rußland in Anspruch zu nehmen, wenn nicht mein damaliger Gefährte, Hr. von Wasielewski, welcher <si> jetzt auch in Dresden anwesend, wie sicher zu erwarten steht, schon Gelegenheit gefunden hätte, ihnen einiges davon mitzutheilen, und ich somit fürchten müßte Ihnen schon Bekanntes zu wiederholen. Vielleicht aber erlauben Sie mir, Ihnen dann und wann einiges von meinen Erlebnißen mitzutheilen. Zur Empfehlung meines Freundes etwas zu sagen, hielt ich für überflüßig, da ich hoffen darf, daß er sich durch seine Leistungen, wie durch seine Persönlichkeit Ihnen selbst empfehlen wird, und somit schließe ich mit: der Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin freundlichst zu empfehlen und auch ferner Ihre wohlwollende Theilnahme zu schenken

Ihrem
Sie verehrenden
Carl Reinecke

Herrn Dr Robert Schumann
in
Dresden.
p.B.[?]


[Beilage]


Concert
von
Carl Reinecke
in der Tonhalle,
am Sonnabend, den 17. October 1846.
–––––––
1. Concert für drei Flügel von J. S. Bach, vorgetragen von Frau Petersen, Herrn Goldschmidt und dem Concertgeber.
2. Adelaide von Beethoven, gesungen von Herrn Otto.
3. a Polonaise von Chopin,
b Frühlingslied von Mendelssohn, vorgetragen vom Concertgeber.
c Caprice von Carl Reinecke,
4. Adagio und Rondo aus dem Violinconcerte von Mendelssohn, vorgetragen von Herrn Böie.
5. Quintett für Pianoforte und Streichquartett von Robert Schumann, vorgetragen von den Herren v. Königslöw, Böie, H. und Chr. Reimers und dem Concertgeber.
6. Lieder von Carl Reinecke,
a Schneeglöckchen,
b die gebrochene Blume, gesungen von Herrn Otto.
c Frühlingslied,
7. Fantasie für Pianoforte und Violine über Themen aus Oberon von Wolff und Vieuxtemps, vorgetragen von Herrn v. Königslöw und dem Concertgeber.
__________
Billets à 2 Mark 8 Schilling sind in den Musikalienhandlungen der Herren Wiebe & Bruckmann und der Fräulein Börchling zu haben.
Anfang präcise 7 Uhr.

[BV-E, Nr. 3299, dat. 20. Oktober 1846:] C. Reinecke. [beantwortet:] NB. [Versand:] durch Boie.

  Absender: Reinecke, Carl (1243)
  Absendeort: Altona
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
676-679
 



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