25.02.2022

Briefe



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ID: 4651
Geschrieben am: Mittwoch 07.10.1846
 

Von hier den 7t October 46.
Hochverehrter Herr Doctor!
Würdigster Herr!
Sie verbinden mit einem ehrenvollen künstlerischen Nahmen eine so hochgerühmte, im öffentlichen Andenken rührende Humanität und die schöne Neigung, das ächte strebende Talent von den so oft lähmenden Banden nach Kräften zu befragen und ihn dieselben zu erleichtern, daß sich wohl auch ein noch nicht mit einem literarischen Nahmen Begabter ermuthigt, fühlen kann, an Ew. Wohlgeboren sich zu wenden.
Als einen kleinen Abriß meiner geistigen Physionomie [sic] wage ich hier in den Beilagen, welche Sie Ihrer gütigen Durchsicht würdigen wol¬len, eine Anzahl Märchen, die einer größeren Sammlung, für die ich einen Verleger suche, angehören, Ihnen vorzulegen. Würdigen Sie wenigstens Eines davon der Durchsicht u. nur, wenn Ihnen dies etwas zu verheißen scheint, auch die anderen der Prüfung.
Mit tiefem Vertrauen sehe ich desfalls dem Urtheil des genialen Dich-|2|ters u. Compositeurs des Paradieses u d. Peri entgegen.
Für den Fall, daß meine unbedeutende Arbeit nun einigermaßen Ihren Beifall hat, wage ich um Erlaubnis, Ihnen u Ihrer hochverehrten, kunstsinnigen Frau Gemahlin meine Aufwartung machen zu dürfen.
Meine Muse ist zwischen Jurisprudenz und Belletristik getheilt, letzte¬rer gehöre ich mit glühender Begeisterung an und will namentlich in dem Märchenfache meine Kräfte möglichst auszubilden suchen; dies Gebiet ist mir deshalb so werth, weil ich darin meiner Phantasie größeren Spielraum <b>gewähren kann.
Die Beilagen sind, wie ich wohl weiß, keine Mustergültigen Sachen, u. bei nur etwas günstigeren Verhältnissen werden sich die ┌daran┐ vorhan¬denen Fehler gewiß abstreifen.
Mehr als je ist mir in meinen gegenwärtigen Verhältnissen Rath u Hülfe solcher Männer nöthig, die mit Intelligenz ächtes Wohlwollen vor¬züglich gegen strebende künstlerische Naturen verbinden, um zu einer sonnigern Gegenwart u größerer Entfaltung meiner poetischen Kraft mich durchzuringen u wage ich deshalb in meiner sehr unerfre[u-]lichen Gegenwart offen u frei an Sie mich zu wenden.
Gönnen Sie daher den Beilagen gütige Durchsicht u mir dann Ihr Urthei[l] |3| und gönnen mir, wenn Ihnen die Productionen Etwas zu verheißen scheinen, auch einige Erleichterung meiner sehr gedrückten Gegenwart. Ich will mich aber durchaus nicht aufdrängen u stünde der Erfüllung meines Wunsches etwas entgegen, so belieben Sie die Beilagen mir | große Oberseerg 36 1t Et. | einfach wieder zugehen zu lassen.
Mit tiefstem Vertrauen sehe ich Ihrer Resolution entgegen. Die Erlaubnis, Ihnen u Ihrer Frau Gemahlin meine Aufwartung machen zu dürfen, sowie ein wenigstens einigermaaßen beifälliges, aus freyer Ueber¬zeugung hervorgegangenes Urtheil über meine Märchen würde mich mit großer reiner Freude erfüllen u. ermuthigen.
Haben Sie die Güte, Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin mich ehrer¬bietigst zu empfehlen.
Mit größter Hochachtung
ergebenst
Eduard Ferdinand
Hauschild.

  Absender: Hauschild, Eduard Ferdinand (631)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
760 f.

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 18 Nr. 3279
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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