15.07.2019

Briefe



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ID: 482 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 03.07.1834
 

Verehrungswürdigste Frau,
Eben diese Entfernung bei sonst geistigmusikalischer Nähe könnte mich schwer zu entschuldigenden sprachlosen reizen, noch länger still zu bleiben; – denn das Auge sieht die Ferne näher an einander gerückt – und eine Musik, die man unter’m Fenster belauscht, klingt ja um vieles aetherischer. –
Ein ungekannter Warner hat bei weitem nicht so Fürchterliches, als ein verhüllter Genius, dessen Kommen wir nicht vermuthet, Wohlthuendes. Nehmen Sie Dank dafür an, daß Sie mir einen schon äußerlich schönen Tag so schön beschlossen!
Hier Anderes von Schubert. – Das Leben blüht jetzt so reich, daß ein Aufblick zum Künftigen es nur noch theurer machen kann. Franz Schubert ist der blaße schöne Jüngling, um dessen Lippen immer ein Zug vom nahen Tode – spielt. Ja! im Divertissement wartet das ganze letzte Begängniß mit langen verschleierten Männern – Katafalß und Exequien etwa wie bei einem gebliebenen französischen Marschall. Aber ich will nicht fürchten machen und es ist gut, daß vier Hände da sein müssen – sonst würden Sie vielleicht gleich selbst Alles nachsehen. So aber müssen Sie warten, bis Freund Ludwig kömmt oder gar
Ihr
Sie hochehrender
RSchumann

3 Juli 34.

Ihro Wohlgeboren
Madame Henriette Voigt
hier

  Absender: Schumann, Robert (1455)
Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Voigt, Henriette (1630)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 50f.
 



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