19.12.2019

Briefe



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ID: 4857 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 26.04.1845
 

Geehrtester Freund,
da Ihnen Friese die Musicalien sendet, so benutze ich die Gelegenheit ein paar Zeilen beizulegen. Ich schreibe Ihnen heute nur wenig, da ich in circa 8 Tagen nach Dresden kommen werde, wo wir dann manches sprechen können. Was Sie über Kritik u den Sinn Ihrer künftigen Mitwirkung schreiben, hat ganz meine Zustimmung. Dabei eingefallen ist mir, daß es recht gut wäre, wenn Sie eine Gelegenheit suchten, die sich bald findet, ein paar Zeilen recht bald einmal für die Zeitung mit Ihres Namens Unterschrift zu liefern; jetzt sieht es aus, als ob Sie sich ganz zurückgezogen hätten, u bis Sie wieder mehr schreiben, vergeht doch noch Zeit. In einer solchen kleinen Mittheilung könnten Sie einfließen lassen, dß Sie sich noch bei der Zeitschrift betheiligen. Wenn Sie eine halbe Spalte schreiben,ist es ausreichend. Damit würden Sie mir einen Gefallen erweisen. Die passendste Gelegenheit würde ein neu auftretendes Talent bieten; aber es ist eben keines da. Irgendeine kurze Betrachtung, eine Reflexion würde sich Ihnen bald darbieten, wodurch Sie Ihre weitere Betheiligung bethätigen könnten, u ds Niederschreiben einer solchen Kleinigkeit, ws den äußeren Umfang betrifft, würde Ihnen auch keine Anstrengung machen.Was meinen Aufsatz betrifft, so denke ich, wenn er auch noch zu wünschen übrig läßt, dß er wenigstens zur Zeit ds Beste ist, ws über Sie geschrieben wurde. Ich hab damit noch mancherlei Pläne, will ihn ins Französische übersetzen u in Paris drucken lassen. u mehres Andere. Manches Erfreuliche ist mir darüber mitgetheilt, u gesagt worden. Am meisten bange ist mir vor dem Schluß, in Bezug auf Sie, dß Ihnen dieser nicht gefällt. Da es aber in der Natur der Sache liegt, dß ich nicht abschließen kann, u mit Fragen schließen muß, so ist auch Gelegenheit gegeben, (um so mehr, als Mehres von Ihnen zu recensiren ist,) den Faden wieder aufzugreifen, nachdem ich Ihre Ansicht vernommen habe.
Mit dem, ws Sie über Mendelssohn schreiben, kann ich nur bedingungsweise übereinstimmen. Was diejenigen Ihrer Lieder betrifft, gegen die ich etwas einzuwenden habe, so will ich sie Ihnen nennen, wenn mir Ihre Compositionen zu Gesicht kommen. Ich habe Alles aus dem Gedächtniß geschrieben. Da liegt es nun in der Natur der Sache, dß ich ds Vorzügliche u Ausgezeichnete gemerkt habe, während mir ds Andere entschwunden ist; ich kenne auch diese Compositionen, sie schweben mir vor, aber ich weiß die Titel nicht.Ueber die Melodiebildung mündlich. Was Seifert u Blaßmann betrifft, so sind das (ganz unter uns) die unbedeutendsten die ich kenne, die sind nicht gebrauchen. Solche kann man auf der Straße aufgreifen. Bitte, sagen Sie davon gegen H Wieck nichts, wenn ich nach Dresden komme, will ich diese Mitwirkung schon mit Geschick ablehnen. Ich habe mich vielleicht nicht deutlich ausgedrückt; ich fragte in Bezug auf Leipzig um Rath; dieß kenne ich noch weniger; in Dresden kenne ich jeden Musiker.Die Musikalien erhält Whistling 7 ½ Neugr. für den Thaler.
Grüße von uns Ihnen u Ihrer Fr. Gemahl.
Ihr
Brendel

am 26ten April.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
240ff.
 



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