19.12.2019

Briefe



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ID: 5094 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 05.12.1841
 

Verehrtester Herr Doctor,
Werden Sie ja nicht ungeduldig, daß ich heute abermals brieflich um das bitte, was Sie mir am vergangenen Donnerstage so freundlich zugesichert. Nennen Sie meine Annäherung ja nicht Unbescheidenheit; ich muß den Damen gegenüber die Erfüllung meines Wunsches zu beschleunigen suchen, da ich doch spätestens heute Abend die Billets den beiden musikverständigen Wesen einhändigen muss. Ich käme in gar arge Verlegenheit, hätte ich die bereits versprochenen Karten heute 6 Uhr nicht.
„Noth kennt keine Schranke!“ Damit muß ich mich Ihnen gegenüber entschuldigen; aber fast bedarf es ja der Entschuldigung nicht, da ich ja weiß, dass Sie meinen Wunsch gern zu erfüllen bereit sind. Es ist ein reiches, poesievolles Concert, cert [sic], dem ich entgegenharre wie das Kind dem nächsten <,> heilgen Christe. Auf Ihre Symphonie bin ich am Meisten entbrannt; es ist einmal wieder ein volles poesiefreudiges Tonleben mit durchzuleben; Urquellen hört man rauschen und brausen und selige Frühlinge blühen vor dem <Fr> entzückten Auge zu der üppigsten Reife empor. Die Poesie bemeistert sich der Musik und beide treten gleichsam in vollen Tonmassen einig und Eins geworden verkörpert, auf. So deute ich Ihre größern Orchestercompositionen. Mehr könnte ich sagen, ich werde es zur rechten, guten Zeit, aber jetzt vermag ich es nicht; auch weiß ich daß Sie nicht viel Zeit übrig haben, meine raschen Worte zu lesen. Vergessen Sie ja nicht, Herwegh’s Reiterlied zu componiren, mir dünkt, es gibt das köstlichste Männerquartett. Das ist eine Dichtung Ihrer werth!
Wie wohl Liszt das Rheinweinlied bezwungen hat?
Doch genug nun!
Ich bitte Sie dringend, dem Überbringer dieses die 3 billets gütigst einzuhändigen und mich auch die Hauptprobe wissen zu lassen.
Es grüßt Sie, und Ihren Lebensgenius in inniger Verehrung
Ihr
verbundenster
Dr. C. Tropus
Stadt Rom N. 17.

[v.] H am 5. Dec. 1841.

(Meinen Brief von gestern früh haben Sie doch empfangen?)

  Absender: Tropus, Dr. Carl (1601)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.19, S. 878ff
 



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