19.12.2019

Briefe



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ID: 5120 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 22.01.1842
 

Dresden d 22ten Jan. 1842.
Mein lieber, verehrter Freund!
Die Bitte, die ich gegen Ihre verehrte Frau ausspreche, ist eben so dringend an Ihr, mir immer bis jetzt gut u. freundlich gesinntes Herz gerichtet. Gott möge Sie beide u. Ihr Kind gesund erhalten, damit Sie meine Bitte erhören u. erfüllen können. O entreißen Sie mir nicht diese letzte Hoffnung, u. geben Sie mir keine abschlägige Antwort, ich komme sonst nach Leipzig herüber u. lasse Ihre Hand u. Ihr Herz nicht los bis Sie mir gewähren. Wenn ich nur erst weiß, daß Sie mir Ihre Hand zur Rettung bieten wollen, so werde ich gleich die nöthigen Anstalten zum Conzert treffen u. Ihnen schreiben wann es sein kann. Der Erfolg, wenn Ihre geniale Frau spielt, ist hier ganz sicher. Dann möcht’ ich Ihnen rathen bald darauf selbst hier ein Conzert zu geben, u. Ihre dem Könige v. Sachsen dedicirte Symphonie zu machen. Die Capelle ist zwar sehr schwer nach neuer Verordnung zu bekommen, aber wenn Sie an den König wegen Ausführung dieser Symphonie schreiben, so wird er’s befehlen. Dann sagen Sie mir die Auffassung, die Tempi etc u. ich werde drauf halten, daß Reissiger auch Alles wirklich so nimmt wie Sie es wollen. Nicht alle Leut’ meinen es ehrlich. Kurz ich werde Ihr Conzert dann ganz fix u. fertig machen, so daß Sie nur etwa 24 Stunden hier sein dürfen für Probe u. Aufführung. Vielleicht bewegen Sie Ihren Freund Bennett zu meinem Conzert mit her zu kommen u. etwas mit Ihrer Frau Gemahlin zu spielen, was auch ganz prächtig wäre. Wie ängstlich ich Ihrer Antwort entgegen warte, können Sie wohl fühlen, denn Sie haben Fantasie genug sich in jede Stimmung zu versetzen. Sie würden mir ein so großes Opfer bringen, daß Sie in der Gewährung selbst Ihre Genugthuung finden werden. Ihr immer wahrhaft ergebener, hart bedrängter, armer Teufel
F. H. Truhn

Die Post weiß, wo ich wohne hier.

Ihre Wohlgeboren
Frau Dr. Clara Schumann
geb. Wieck. k. k. Oestr. Kammer-
Virtuosin, etc etc
Leipzig
frei.

[BV-E, Nr. 2151]

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 877f.
 



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