19.12.2019

Briefe



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ID: 5138 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 03.02.1842
 

Dresden d 3 Febr. 1842
Lieber Schumann!
Verehrtester Freund!
Vorgestern erhielt ich Ihr Briefchen. Ich hab’ mir’s gedacht, daß ich an Ihre verehrte Frau Dummheiten geschrieben. Aber Hr. W. ist mir schrecklich, ein böser Mann. Als ich ihn vor 14 Tagen hier traf, raisonnirte er wieder so bodenlos gegen Sie etc., daß ich ihn bis jetzt sorglich u. mit gutem Erfolg gemieden habe. Auch mit Bank ist er total zerfallen, mit sich selbst auch, glaube ich. Freilich mußt ich so was nicht an Ihre Gemahlin schreiben, aber ich war so sehr aufgeregt, daß ich wirklich außer Stande die Worte nach Gebühr zu wägen. Daß ich nicht im Entferntes
ten die Absicht haben konnte Madame Schumann zu beleidigen, darf ich wohl nicht erst beschwören. Es thät mir herzlich leid. Nach Leipzig werd’ ich wol kaum in den nächsten 14 Tagen kommen können, zu einem Conzerte reden Sie mir selbst nicht zu. Ja wenn Ihre Gemahlin nur in Ihrem eigenen Conzert, u. sonst nicht weiter gespielt, wenn nicht so sehr viel Concerte gewesen, da ginge es wohl. An die Zeitung werd ich denken, aber als genannter Mitarb. existir’ ich nicht mehr! Den Lumpen Schilling kann ich nicht verklagen, denn ich habe leider kein Geld jetzt so etwas anzufassen u. durchzuführen. Wollen Sie, so gebe ich vollständige gerichtl. Vollmacht zum Prozeß. Verlieren muß er ihn, u. da verlören Sie nichts an Gelde da er die Kosten tragen müßte. Ich weiß jetzt genau, daß der Schuft selbst jenes Pasquill geschrieben. Es wär prächtig, wenn Sie einem Leipz. Advokaten die Sache übertrügen u. mich benachrichteten in welcher Form die Vollmacht zur Klage v. mir gewünscht würde, die ich dann gleich sende. Dadurch würde die Canaille öffentlich (das Urteil müßte publizirt werden) für alle Zeiten gebrandmarkt u. auch Sie hätten Ruhe vor ihm. Ach, s’ist ein Elend wenn man so wenig Geld hat, man muß so manches auf sich sitzen lassen. Gott bessere es! Hirschbach soll sich nicht so verfinstern u. übergrübeln, er hat’s nicht Noth. Stände ich wie er in d. Welt; – Sapperment, ich würd ein kleiner Rossini. Das Sancta mater dolorosa (Asdur 2/4) im Großen sein Stabat mater ist sehr schöne Musik. Nicht wahr?
Ich küsse Mad. Schumann um Verzeihung bittend die kunstvolle Hand u. bleibe
Ihr
alter
F. H. Truhn
Neugasse No. 15.

Wäre eine Matinée musicale in d. BuchhändlerBörse möglich?

Sr. Wohlgeboren
Hrn Dr. Robert Schumann
Redacteur der neuen Zeitschr. f. Musik
Leipzig
fr.

[BV-E, Nr. 2171]

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 880ff.
 



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