15.07.2019

Briefe



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ID: 522 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 15.09.1837
 

Leipz. d. 15ten September 37.

Lachen Sie nicht über mich, meine gütige Frau – ich will nähmlich Ersparniße machen und biete mich Ihnen zweifach an, erstens als Kostgänger, dann als Wäsche-Verbundener. Beides wäre wohl ohne große Weitläufigkeiten mündlich abzumachen, indeß gehorcht mir die Feder beßer. Auf beifolgendem Zeddel finden Sie Alles, was ich liebe u. verabscheue. Einfach u. kräftig ist höchster Wahlspruch – u. ein flüchtiger Blick in Ihre Küche hat mir das längst verbürgt. Mehr als ein Gericht hab ich wohl gern, aber nicht nöthig – Suppen sehr pp – Was die Wäsche anlangt, so sagte mir meine Schwägerin längst, sie wäre zu theuer, zu wenig gewaschen. Vielleicht stimmen Sie in meine Bitte. Wohlfeil müßte freilich Alles erstaunlich sein – ich will ja sparen. Aber lachen Sie nicht, sondern sein Sie gutgesinnt
Ihrem
ergb
Verbundenen
RSchumann

Speisezeddel eines Sparenden. Nichts Fettes nichts Süßes
Höchste Lieblingsspeisen:
Rindfleisch mit Reis, Nudeln, Gräubchen [sic] u. dgl.
Kalbfleisch, Schöpsenfleisch, Schweinefleisch, seltener, wenn nicht fett ist.
Braten, alle, wenn nicht fett –
Mehlspeisen, keine, durchaus keine
Eierspeisen, gern.
Suppen, Bouillon, sehr gern.
Früchte, Eingemachtes, nicht.
Sallate, sauer, alle.
Fisch, alle, ausgenommen Aal.
Gemüse, sehr gern, außer die süßen, wie Möhren pp
Ihro Wohlgeboren
Madame Devrient.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Devrient, Johanna (358)
  Empfangsort:
  SBE: II.19, S. 322f.
 



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