15.07.2019

Briefe



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ID: 5346 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 06.08.1839
 

Salzbrunn den 6 Aug: 1839

Also die arme, leidende Kranke muß zuerst schreiben, wenn sie will einige Zeilen Nachricht haben? das hätte sie wahrlich nicht von ihrem Freunde gedacht -- haben doch Alle geschrieben, sogar der alte Rochlitz und Sie, der den ganzen Tag die Feder in der Hand hat, Sie sagen mir nichts? ja doch ist es eben, werden Sie sagen, aber die Freundschaft begehrt auch einmal ein Opfer. Ich schreibe also doch, hoffe aber mit umgehender Post für meinen schlechten einen recht schönen Brief, wie Sie sie nun einmal nicht anders schreiben können, zu erhalten, nicht wahr, das thun Sie ? Was soll ich Ihnen nun aber sagen? wie ich so sehr leidend bin? Die Cur greift mich so entsetzlich an, daß ich viel kränker bin, als da ich herkam, ich huste fürchterlich und bin so matt, daß ich nicht 10 Schritte allein gehen kann -- mein guter Mann pflegt mich sehr, hätte er nicht mitgekonnt, ich glaube, ich wäre schon gestorben. Ein Instrument haben wir, das ist herzzerschneidend und doch, es ist eines da -- unter 1200 Badegästen ist die Noth groß, in 8 Tagen ist uns ein Flügel versprochen -- wie wird der sein ? Daß Sie in meinem Hause waren und so liebevoll nachgefragt, hat mich gefreut -- auch Verhulst ist da gewesen -- ich grüße ihn herzlich. Musik hört man hier gerade genug[, um] fünf am Brunnen 2 Stunden lang und Abends wieder -- Spohr, Weber, Marschner, so ohngefähr 4 Nummern von Jedem und die dann versetzt, so daß man es recht gründlich lernen soll. Sie sehen an meiner Schrift, wie leidend ich bin, so schreibe ich sonst nicht, aber der böse Husten, der mich fortwährend unterbricht und das Zittern meiner Hand lassen es nicht anders zu. Die Gegend um Salzbrunn ist sehr reizend, ich konnte sie noch gar nicht genießen, denn selbst im Fahren ist der Staub und Luftzug wieder für den Husten nachtheilig. Der 3te August wurde hier sehr festlich begangen, wir nahmen an nichts Theil, da ich gar zu leidend bin. So kann es doch aber nicht bleiben; vielleicht kann ich Ihnen das nächste mal erfreulicheres melden. Leben Sie wohl, theurer Freund und schreiben Sie gleich, so können wir noch einige Briefe tauschen. Mein Mann grüßt Sie herzlich so wie auch Ottilie -- ach wäre ich erst wieder in Leipzig! und gesund. Beten Sie für mich.

Leben Sie nochmals wohl. Stets Ihre treue Freundin Henriette Voigt

Herrn
Robert Schumann
Leipzig
dE

[BV-E, Nr. 1320:] Henriette Voigt. [beantwortet:] ja. [Versand:] d. E.
[GN, NZfM XI/46: 6. Dezember 1839, S. 176:] August. […] 6. […] Salzbrunn, v. H. V.

  Absender: Voigt, Henriette (1630)
  Absendeort: Salzbrunn
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 101ff.
 



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