19.12.2019

Briefe



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ID: 5433 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 29.05.1840
 

Berlin 29 Mai 1840
Lieber Schumann! Ihre Braut hat mich an Fortsetzung u. Schluß meiner Correspondenz erinnert, die durch Notenschreiben, Kinder – und eigene Krankheiten und dgl. ins Stocken gerathen ist. Da Sie pressirt zu sein scheinen, hier vorläufig das Stück; das Andere folgt baldigst nach. Etwas Interessantes für den Anfang des nächsten Bandes, worum Fräul. Clara mich auch in Ihrem Auftrage anging, weiß ich jetzt in der That nicht aufzubringen. Doch bald vielleicht! Fräul. Clara scheint seit einiger Zeit einiges Mißtrauen gegen mich zu hegen. Ohne allen Grund, wie ich wol nicht erst betheuern darf u. auch nicht mag. Daß B. während seiner Anwesenheit viel um mich war, da er wirklich Niemanden wußte mit dem er umgehen könnte, kann wol kaum die Ursache sein. Uebrigens ist mir es wahrhaft leid, daß Ihre Braut hier seit einiger Zeit philisterhaft-prosaischen Einflüssen hingegeben ist, die ich wenigstens mehr fliehe, als die Bekanntschaft Rellstabs. So meinte Sie neulich: Zschiesche oder Kisting oder sonst wer, der die Recensionen in der Iris studirt, hätten ihr gesagt, Spontini habe am Bußtage die Cmoll-Symphonie schlecht dirigirt, auch die Schöpfung sei nicht so gut als in der Singakademie gegangen; – und davon sei sie überzeugt. Ich meinte jetzt freundlich durch die Voßische Zeitung könne Sie sich noch mehr von der Richtigkeit dieses überzeugen, wie auch, daß die Vestalin wirklich nicht viel bedeute; und überdem kaum von Spontini komponirt sei. Sie nahm diese höfliche Gegenbemerkung ernstlich übel, u. ich werde mich nun hüten, Ihr gegenüber jemals wieder etwas gegen die Urtheile Rellstabs, Tauberts, Kisting’s usw, oder auch gegen die der Mutter, die in der Singakademie wirkt, einzuwenden. Vielleicht halten Sie es der Mühe werth, durch einige Zeilen das gute Vernehmen zwischen Ihrer Braut, die ich so sehr verehre u. mir wieder herzustellen. Sollte es nicht möglich sein, so wird mich diese Spannung wenigstens nicht hindern über Clara Wieck fortwährend stets gleich zu denken u. zu schreiben, wie ich’s bisher gethan. Noch einiges Geschäftliche! Mir ist Ihr Brief mit der Berechnung abhanden gekommen, ich bitte daher mir kurz die Summe zu vermerken, mit der ich noch im Guthaben der Redaction stehe. In der letzten Correspondenz von mir war ein arger Druckfehler bei der Stelle wo von dem Duo v. Moscheles, und dem Beifall der Spieler Clara u. Taubert die Rede ist. Es stand „einige Längen u. Breiten gerade“ statt „Längen- und Breitengrade“. Müller bittet sehr um Geld, da er’s nöthig braucht, u. fragt, was Sie mit dem Liede von Burgmüller zu machen gedenken. Mein eignes Lied, Text von Shakespeare, das ich schon vor zwei Jahren für die Beilage gab, bitte ich mir durch Friese an Schlesinger hier recht bald zukommen zu lassen, da ich’s in ein passendes Heft aufnehmen will. Für die Beilage ist’s wol nicht gut genug, da Sie es so lange unberücksichtigt liegen liessen.
Ihr
F. H. Truhn.

[BV-E, Nr. 1560]

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 836ff.
 

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