15.07.2019

Briefe



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ID: 5510 Brieftext


Geschrieben am: 08.06.1838
 

Vielleicht verstatten Ew Wohlgeboren einliegendem Aufsatze eine Aufnahme in Ihre Zeitung. Gern hätte ich gewünscht durch die That selbst mich Ihnen als Componist bekannt zu machen (denn ich bin nur dies Eine) und den vom bisher üblichen, abweichenden Weg, den ich besonders im Fache des Streichquartetts u. Quintetts, auch dem der Claviersonate und der Sinfonie (ich schreibe jetzt eine in einem einzigen Satze) eingeschlagen; doch findet sich dazu, wenn Sie es erlauben, wohl Gelegenheit, bei einer gelegentlich durch Ihre Stadt zu unternehmenden Durchreise. Begünstigender Umstände wegen, da ich Gelegenheit habe, was ich geschrieben bei mir zu Hause zu hören, habe ich es vorgezogen, mich nicht in die Öffentlichkeit vorzudrängen (Herr Spontini kennt mich), sondern zu warten, bis die Leute sich am alten, bis zum Ueberdrusse satt gespielt haben. Haben sie doch nicht mal den Beethoven verdaut, verschweige – doch genug; nur das noch, daß ich auch in der Praxis ein Anhänger des meisterlich combinirten, wie es sich in Beethoven ausspricht, und dem characteristisch tiefen und erfindungsreich schwungvollen, wie es bei ihm noch nicht vorhanden ist, bin, sodaß ich sogar Quartette geschrieben habe, die eine fortlaufende Reihefolge [sic] von Seelenzuständen und Anschauungen darstellen. – Verzeihen Ew. Wohlgeboren, daß ich Ihnen so lang von mir gesprochen habe.
Ergebenster
Herrmann Hirschbach
Neue Friedrichstraße 29.

Berlin d 8.6/38

Sr Wohlgeboren
Herrn Robert Schumann
Redacteur der neuen musikalischen Zeitung
in
Leipzig
frei

  Absender: Hirschbach, Hermann (715)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.17, S. 233f.
 



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