19.12.2019

Briefe



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ID: 5521 Brieftext


Geschrieben am: Montag 15.12.1834
 

Leipzig, d. 15. Dec.

Mein lieber Schumann!

In Gegenwart Schlesiers schreibe ich diesen Brief. Ich sehe ihn nach Deiner Vollmacht als einzigen Repräsentanten Deiner Person an, unter welcher Bedingung er selbst allein von dieser Vollmacht Gebrauch machen wollte. W. existirt für uns nicht mehr; Ba. u. Bü. sind bei unserer Sache n u r a l s R a t h g e b e r zuzuziehen. Es ist meine u. des gegenwärtigen Freundes Ansicht, von H. weder <etw> außergerichtlich etwas erzwingen zu können, noch sonst Concessionen von ihm erwarten zu dürfen. Der gerichtliche Weg ist schwierig, u. würde bei dem vorliegenden Contract <> reellen Nutzen nicht gewähren. Es scheint daher vorzuziehen zu sein, die Herausgabe der Zeitung augenblicklich zu sistiren, alles MS. zurückzuhalten, H.’s Beschlüsse u. Unternehmungen abzuwarten u. seiner Klage entgegenzusehen, die wir durch die Einrede härtester Contractverletzungen zurückweisen. Vor der Hand sprechen wir diesen Entschluß noch nicht aus, scheinen nur das MS. noch nicht druckfertig zu haben, u. erwarten in diesem Fall zur Bestätigung unsers Entschlusses Deine bestimmte Erklärung. Daß Du ihn angehalten wünschst, er möge die Ztschr. bis Neujahr fortsetzen, begründet sich doch wohl nur auf Deine Unkenntniß des status causae1; u. wir dürfen gewiß keiner bessern Lage beim <Neuj>Jahreswechsel entgegensehen. Lieber also gleich abgebrochen. Was später aus der Sache werden kann, u, in welcher Kleidung sich unser Phönix erheben wird, hängt sehr viel von Deiner baldigen Ankunft ab.
Verte!
Schreib’ also gleich; denn unternommen u. ausgesprochen wird zur Zeit nichts. – Sollte H. sich unterfangen, die Ztschr. aus eigenen Mitteln fortzusetzen, so ist es alsdann Zeit, eine solenne Eigenthumsklage zu erheben. Auch <> müßte in dem Fall unsererseits sogleich eine öffentliche Erklärung in verschiedenen Blättern abgegeben werden. Alles Vorstehende ist meine u. Schlesiers Ansicht – Vergiß ja nicht, Hrn. Schlesier f ü r j e d e n F a l l eine gerichtliche Vollmacht beizulegen. Auch bitte ich Dich, mit Niemand als mit uns zu verhandeln.
Dein
Julius Knorr.

Noch eins. An 18 unserer Notenhändler, inclus. M. Berra, Schlesinger u. Haslinger ist bereits geschrieben, daß der Bruch geschehen sei u. daß sie alles unter meiner Specialadresse einsenden mögen. Auch hat mit Hartmann in einem malitiösen Briefe den Eintritt in sein Haus untersagt. Kann man noch zurücktreten? Selbst Hofmeister, der eine <> Einigung zu Stande bringen wollte u. die böse Mähr von mir erfuhr, meinte, daß wir dann wenigstens schnell, definitiv zur Entscheidung kommen müßten. Vergiß also nicht Deine Brüder oder Barth!
J. K.

  Absender: Knorr, Julius (841)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
596-599
 



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