15.07.2019

Briefe



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ID: 5601 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 17.09.1839
 

Leipzig den 17 September 39.

Mein theurer Freund!
Sie haben meine so leidende Einsamkeit so liebevoll zu mildern und zu <>zerstreuen gesucht durch die genialen Werke der Franzosen, und nun kommt auch noch die wunderschöne Sonate dazu, so daß ich, wenn auch mit zitternder Hand Ihnen danken muß. Wäre ich nur nicht so krank mehr, ich schriebe Ihnen einen langen Dankesbrief, aber – ach Sie sehen es ja leider selbst, wie sauer die Feder sich fortbewegt, wie die Schrift von meiner sonstigen nicht wieder zu erkennen ist. Trotz meiner entsetzlich geschwollnen Füße schleppte ich mich doch mit meinem goldnen Hefte, das ja die Farbe der Hoffnung trägt, ans Instrument und war glückseelig über den Reichthum – ach leider konnte ich ihn noch nicht erschöpfen, denn es griff mich an, weil es mich ergriff und so musste ich auch von dieser Freude wieder scheiden, zu meinem vegetirenden Princip zurückkehren und in Geduld auf bessere Zeiten verhoffen. Nehmen Sie jetzt meinen innigen Dank im Geist, den in der Wirklichkeit haben Sie längst voraus. Grüßen Sie meine zweite Heimath, o wäre ich ein Stündchen mit dort! – doch nein, so krank nicht, da muß erst ein neuer Phönix ersteigen.
Leben Sie wohl, bester Freund und verzeihen Sie der Kranken alle Mängel dieses Briefes, sie kann nicht anders!
Ihre treue Freundin
Henriette Voigt.

Meine geliebte Clara!
Einen Herzensgruß muß ich Dir doch sagen auf Deinen liebevollen, freundlichen Brief, der mich so sehr überraschte. Wie freue ich mich, wenn wir uns wiedersehen werden; ich darf freilich noch immer niemand sprechen aber ich fühle doch, daß meine Besserung fortschreitet, wenn auch nur sehr langsam – Salzbrunn ist ein Bad, das sicher wirkt, aber man muß Geduld haben. Ihr Glücklichen genießt die heitere Gegenwart; was nun auch kommen möge, Ihr seid ja doch dem Ziele näher und vereint läßt sich Alles ertragen.
Lebe wohl, meine theure Freundin und denke mein, vielleicht geht es bald besser!
Deine treue Henriette

Mein Mann grüßt Euch herzlich – o könntest Du meine lieblichen Kinder sehen! – –

Fräulein Clara Wieck
unter den Linden
No 24. 2 Tr.
Berlin
franco

[BV-E, –]

  Absender: Voigt, Henriette (an RS und CS) (1631)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 110ff.
 



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