02.07.2026

Briefe



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ID: 563
Geschrieben am: Donnerstag 28.10.1841
 

Leipzig, den 28sten October 1841.
Mein theurer Herr und Freund –
Endlich – nicht wahr? Aber ich stecke so tief in Arbeiten, daß Sie mir verzeihen würden, kämen Sie in meine Arbeitsstube. Die Zeitung nimmt mir viel Zeit – dann die Vollendung mehrerer großer Orchesterstücke. Jetzt seh’ ich schon mehr Land – und die ersten Zeilen richte ich wieder an Sie.
Was sollte ich gegen Sie haben? Waren Sie mir doch stets freundlich gesinnt und sind es noch. Könnte ich Ihnen nur den freudigen Künstlermuth geben, Ihnen irgend förderlich seyn! Ich wiederhole, daß Sie, um mit Verlegern Verbindungen anzuknüpfen, auf einige Zeit selbst nach Leipzig kommen müssen. Sodann schreiben Sie größere Stücke, Symphonien, Opern. Sie können es. |2| Mit Kleinerem ist schwer durchdringen.
Ihr schönes Lied „Die Weinende“ erscheint in dem nächsten (d. 15ten) Heft der Beilagen. Möchte ich bald Neues von Ihnen sehen und hören! –
Ihre Arbeiten f. d. Zeitschrift werden Sie sämmtlich abgedruckt gefunden haben. Senden Sie nur bald mehr. Ein Concert, das ich Ende nächsten Monats mit meiner Frau hier geben will, zwei Symphonien, die ich dazu geschrieben pp, nehmen <mir> <d> meine ganze Zeit in Anspruch, daß ich nur wenig für die Zeitschrift thun kann.
Honorar vermag ich Ihnen im Augenblick nicht zu schicken; ich bekomme vom Verleger selbst nur alle halbe oder höchstens viertel Jahre Geld. Anfang Januar erhalten Sie aber Alles in Allem.
|3| Meine erste Symphonie erscheint in diesen Tagen. Dies ist denn immer ein Freudentag für einen Componisten. Ueber die Recension, die Sie in der Alten mus. Zeit. gelesen, würden Sie – glaub’ ich – losfahren und wettern, wenn Sie die Symphonie gehört hätten. Die Recension ist von einem hier bekannten (übrigens gar nicht dummen) Schmeichler Mendelssohn’s den es geärgert hat, daß ich der erste unter den jungen Künstlern, der eine Symphonie geschrieben, die Effect gemacht. Genug davon; ich schreibe nicht gern, geschweige über längst Geschriebenes. Die Symphonie (jene◊3 erste) liegt mir schon im Rücken; ich sehe schon andre Ziele wieder.
Die Zeit drängt und der Abend bricht herein.
Gedenken Sie meiner in Liebe.
R. Schumann.
|4| Seine Wohlgeboren
Herrn Capellmeister Carl Koßmaly
(aus Detmold)
jetzt in
Münster.
frei.




  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Kossmaly, Carl (861)
  Empfangsort: Detmold
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 25
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Nordwestdeutschland / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Michael Heinemann, Anselm Eber, Thomas Synofzik, Jelena Josic und Arend Christiaan Clement / Dohr / Erschienen: 2025
ISBN: ISBN 978-3-86846-050-6
996ff.

  Standort/Quelle:*) GB-Cfm; s: General Series; Abschrift (gekürzt): D-Zsch: 5485–A2,
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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