19.12.2019

Briefe



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ID: 5702 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 03.01.1840
 

Ew. Wohlgeboren

haben mir den Wunsch zu erkennen gegeben, daß ich den in beiliegenden Nummern der Gazette musicale enthaltenen Brief von Stephen Heller in’s Deutsche übertragen möchte, und zugleich angefragt, ob ich auch in Zukunft ähnliche Aufträge ausführen würde. So sehr ich mich nun auch durch Ihr Vertrauen geehrt fühle, bedauere ich dennoch, auf Ihr freundliches Anerbieten nicht eingehen zu können, da dergleichen Arbeiten gänzlich außer meiner Sphäre liegen und ich mich in den Mußestunden, welche mir die Besorgung meiner ärztlichen Praxis übrig läßt, nur mit literarischen Arbeiten im Bereiche der Medicin beschäftige. Nichtsdestoweniger erhalten Sie beifolgend die gewünschte Uebersetzung. Wie dies zugeht, sollen Sie sogleich vernehmen. Da der Ueberbringer obengenannten Blattes Ihr Anliegen sehr dringend machte, ich aber einem Freunde der verewigten Henriette Voigt, die ich in den letzten Monaten ihres Lebens ärztlich behandelt habe, gern gefällig sein wollte, mir selbst jedoch die Zeit dazu fehlte, so fragte ich meine Frau, die musikalisch und dabei der französischen Sprache ganz mächtig ist, ob sie sich wohl getraue, die verlangte Arbeit an meiner Statt zu übernehmen. Diese nun ging um so bereitwilliger auf das Anerbieten ein, als sie schon früher ähnliche Aufträge für ihren Vater ausgeführt hat, den als Gelehrter und Schriftsteller Ihnen wahrscheinlich bekannten Rector der Königl. Landesschule zu Meißen, Detlev Carl Wilhelm Baumgarten-Crusius. Sie überreicht Ihnen daher in Beifolgendem eine Probe ihrer Befähigung zu dergleichen Arbeiten. Sind Sie mit derselben zufrieden und wollen Sie darum meine Frau mit gleichen Aufträgen für Ihre Zeitschrift in Zukunft beehren, so werden Sie nicht nur diese selbst, sondern auch mich sehr verbinden, indem es auch mir zu besonderen Vergnügen gereicht, meine Frau unter die Zahl der Mitarbeiterinnen an Ihrer geschätzten Zeitschrift aufgenommen zu sehen und zu erleben, daß sie als Frau auf eine so ehrenvolle Weise nutzen kann, was sie als Mädchen unter der unmittelbaren Leitung eines hochgebildeten Vaters gelernt hat. Einer gefälligen persönlichen oder brieflichen Antwort entgegensehend zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung als
Ew. Wohlgeborn
ergebenster
Dr. Raimund Dietrich Brachmann
ausübender Arzt

Leipzig, den 9ten Januar 1840

Sr. Wohlgeboren
Dr Herrn Robert Schumann, Redacteurs
der hiesigen Zeitschrift für Musik
Ritterstraße
rothes Collegium
1 Treppe hoch
hier

  Absender: Brachmann, Raimund Dietrich (245)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.19, S. 285f.
 



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