19.12.2019

Briefe



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ID: 5708 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 14.12.1839
 

Berlin 14/XII 39
Lieber Schumann!
Mir selbst geht es körperlich etwas besser u. ich darf das Zimmer schon verlassen. Das eine Kind ist aber noch krank u. an Mangel habe ich Ueberfluß. Zehn Thaler sind mir von unbekannter Hand in einem Couvert zugegangen, worin nichts stand als: „von Hr. R. S. aus Leipzig.[“] Sie sind der einzige, der mich nie verläßt, während die von denen ich Geld zu fordern mir nicht einmal auf meine Briefe antworten. Seien Sie aber auch versichert, daß ich Ihnen Ihre Theilnahme u. Güte nie vergessen werde. Fräul. Clara zu der mein erster Gang war, u. die mir recht eigentlich Balsam durch’s Ohr ins Herz schüttete, hat mir gesagt, Sie seien wegen Manuscript in Verlegenheit; da habe ich mich gleich hingesetzt und beikommend. Corresp. geschrieben die für dies Jahr abschließt, denn nun ist bis Neujahr kein Conzert mehr zu erwarten. Fehlt es Ihnen aber an Kopfartikeln wie ich wähne, so sollten Sie doch üb. „Burgmüller“ immer drucken, es wird doch nicht so lang sein wie Rellstab’s Artikel über B. Klein, und Kürzungen läßt sich Müller gewiß gefallen; dann haben Sie ja noch eine Menge Lückenbüßer oder Pausenfüller von mir, die Sie im Falle größter Noth mit gewöhnlichem Drucke geben können. Wenn Sie herkommen verspreche ich Ihnen ein novellistisches Capriccio „Die alte Primadonna u. der Musiknarr“, das dann gleich nach Neujahr gedruckt werden könnte, wenns Ihnen gefällt. Und fällt mir sonst noch was Gescheidtes ein so ist’s Ihre, denn um Alles möcht’ ich Sie nicht in Verlegenheit wissen. Beikommendes Briefchen besorgen Sie mal gleich. Der Banck hat einen trefflichen Artikel über sich [selbst] geschrieben in einem Buch von O. L. B. Wolff „Porträt’s u. Genrebilder“, den er auch in die Cöllnsche Zeitung hat setzen lassen. Er will der Kronprinzeß was dediciren und fragt mich wie man’s macht. Beikommendes ist meine Antwort. Genug! ich hoffe Sie ja bald zu sprechen.
Leben Sie wohl Bester
Ihr
F. H. Truhn.

[BV-E, Nr. 1428:] d. Clara Mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 819ff.
 



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