19.12.2019

Briefe



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ID: 5780 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 11.03.1840
 

Berlin d. 11 März 1840
Liebster Doctor!
ich gratulire zum Doctor, aber nun muß ich wenigstens Apotheker werden. Ich war eben gerade beim alten Bargiel als Ihr Brief u. Patent ankam. B. konnte sich gar nicht daraus zurecht finden, um so weniger als Ihr Brief natürlich nicht zu lesen war u. Sie das Patent eine Sternschnuppe nannten, die in Ihr Einsiedlerthum fiele. Hr. Léon Escudier hat jetzt schriftlich erklärt, daß er gar nichts von mir wisse und daß Hr. St. Heller ihm nichts gebracht hätte als ein Packet mit gedruckten Journalen. Zwei unfrank. Briefe aber wo auf der Kehrseite mein Name und Berlin steht, und die um Honorar oder Remittirung des Manuscr. ersuchen nimmt er an, u. bezahlt das Porto für Briefe, die ihm also somit völlig unverständlich sein mußten wie ihr Verfasser völlig fremd. O Schurke! Ich werde nun aber die ganze Sache in der Gazette musicale mittheilen, wolte doch hören was Heller sagen wird, der übrigens mit Escudier in dieser Angelegenheit eine gleiche Kappe zu tragen scheint. Ich ärgere mich sehr über die Zeit u. das Geld das ich verlor bei diesem schlechten Spaß. Sie sprach ich indeß längst von aller Schuld frei lieber Schumann, und schrieb es Ihnen wol auch schon früher. Sie meinten es gut dabei mit mir wie immer. Aber daß Sie diesmal gar nicht schreiben und nichts schicken können, wie es scheint setzt mich wirklich in die größte Verlegenheit. Ist’s denn gar nicht möglich zu machen, auf keine Weise? Vergessen Sie mich und meine dringende Bitte nicht in dem Musikrausch, der jetzt durch Liszt über Sie kommen dürfte. Schreiben Sie mir helfen Sie mir! Es thut Noth. Montag also kommt Clara wieder. Es wäre ungalant von Liszt wenn er nicht herkäme ihr als Braut zu gratuliren, und mir was vorzuspielen. Sagen Sie ihm das, aber ernstlich. Paganini habe einst um 6 Monate verpaßt u. Liszt hör’ ich am Ende auch nie, da ich bald sterbe. Sagen Sie ihm das.
Ihr
F. H. Truhn.

Das Lied von Burgmüller ist in meinen Händen. Es ist aber schwach u. hat wenig anderes Interesse als daß es Burgmüllers letzte Composition ist. Auch Müller wünschte Sie könnten sich von Hofmeister ein Anderes f. d. Beilage erbitten. Wollen Sie indeß das, so will ich’s kopiren.
Können Sie nicht umgehend etwas schicken. Es sei so viel es sei.

[BV-E, Nr. 1500:] Mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 832ff.
 

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