15.07.2019

Briefe



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ID: 5793 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 05.10.1838
 

Wohlgeborner Herr!
In der verflossenen Ostermesse ersuchte mich mein Freund Robert Schumann, mündlich, nachdem er mich schon [mehrermals] schriftlich deßhalb angesprochen hatte, um zwei Novellen für die neue musikalische Zeitschrift. nemlich Abt Vogler zu Michaelis u Luther zu Weihnacht. Ich erklärte ihm: daß ich diese Arbeiten ihm nur für den festen Preis von Louisd’or 2, für jede Novelle schreiben könne zahlbar sogleich bei Ablieferung des Maspts. Er war dies nicht nur zufrieden sondern gab mir sogleich 1 Louisdor Vorschuß.
Im Laufe des Sommers wiederholt von Schumann an die Novelle dringend erinnert, schrieb ich zu Ende September die erste: Abt Vogler und sandte sie den 2ten d. M. von hier aus an Schumann, nicht wissend daß er von Leipzig abwesend sey. Da ich aber nun seine Wohnung in Leipzig nicht wußte und eine kleine Ausgabe mich zwang einen Louisd’or Postvorschuß zu nehmen, so schrieb ich auf das Paquet außer Schumanns Addresse: zu erfragen bei dem Herrn Buchhändler Robert Friese (mir ist nämlich Schumanns Hausnummer < > / nicht namentlich bekannt.)
Zu meinem größten Erstaunen erhalte ich heute das Paquett von Leipzig durch Herrn Friese zurück mit der beifolgenden saubern Bemerkung auf der Rückseite des Paquetts, wodurch dieser Mensch nicht nur mich auf dem hiesigen Postamte sondern auch Schumann comprommittirte. Da ich schon genügsam Gelegenheit hatte, die Dummheit, Kinderhaftigkeit und Anmaßung dieses Verlegers – wovor mich Gott immerdar bewahren möge! – in Redactionsangelegenheiten kennen zu lernen, so bin ich weit entfernt meinem Freund Schumann die Schuld daran beizumessen daß ich hier Zeit u Geldverlust erleiden soll. Frage Sie aber als intermistischer Redacteur: ob es Schumann lieb seyn kann, wenn ich jetzt meine Arbeiten in eine andre musikalische Zeitschrift sende, wozu ich schon mehrfach unter günstigen Bedingungen aufgefordert wurde. Daß Schumann gern meine Sachen druckt, weiß ich, daß dieser Vogler zu dem Besten gehört, was ich in der Art schrieb, darf ich mit gutem Gewissen versichern. Wollen Sie also: daß der Vogler in der neuen musikalischen Zeitschrift erscheinen soll, so erbitte ich mir umgehend den durch Postvorschuß bezogenen und wiedergezahlten Louisd’or, da ich sonst auf keinen Fall weder den Vogler noch den Luther an Herrn Friese senden würde überhaupt jetzt nichts ohne Vorauszahlung mehr geben, solange Herr Friese Redacteur der Zeitung ist.
Da beide Novellen eigends für die neue musikalische Zeitschrift geschrieben, und zwar Bestellung geschrieben wurden so würde ich erst dann, wenn ich sie andern verkauft hätte an Erstattung des Vorschußes von Schumann denken können. Eigentlich wär ich dazu garnicht verpflichtet, da Herr Friese eigenmächtig mir das Mspt ungelesen remittirte.
Mit der größten Hochachtung
Ew Wohlgbn
ergebenster
Lyser

Dresden d V/X 38

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 746f.
 



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