19.12.2019

Briefe



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ID: 5902 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 28.06.1839
 

Berlin, d 28 Juni 1839
Lieber Schumann!
Ihren letzten höchst unleserlichen Brief – warum schreiben Sie nicht mit lateinischen Buchstaben? – hab ich erhalten, aber nichts daraus erfahren können, was Sie mit meinem offenen Schreiben an den Dr. Gleich angefangen haben; es wäre mir am Ende lieb es nicht abgegeben zu wissen, denn ich habe jetzt die Dummheit im Eremiten gelesen, die eben so neidisch als bornirt, aber in keiner Weise gravirend ist, also weder Erwiderung, noch Duell nach sich ziehen kann. Mit einem Menschen bin ich im Nothfall bereit mich zu schießen, aber mit einem Schafskopf, der eine auf der Hand liegende Ironie für baare Münze nimmt, nicht. In der ersten Hitze schrieb ich beikommende doppelte Abfertigung, wünsche aber nicht, daß eins von beiden gedruckt werde, und will es mit der Anmerkung auf der ersten Seite des beikomm. Manusc. „Erinnerungen etc“ bewenden lassen. Dieß Manuscript soll nämlich unbändig interessant und nur vier Briefbogen stark werden. Sie können diesen Anfang getrost drucken, das Uebrige erfolgt sicher und jedenfalls zu rechter Zeit. Sie wissen, daß ich Sie nicht im Stich lasse. Es kommen einige prächtige Aneckdoten und Züge aus Klein’s Leben vor, die nicht bekannt sind. Wollen Sie diesen Aufsatz nicht, so bitte ich ihn bald zurück, damit ich ihn für den Mundt’schen Freihafen bearbeiten kann, von dem in diesen Tagen das dritte diesjähr. Heft ausgegeben wird, das meinen Artikel über Hoffmann enthält. Ich würd’ mich freuen, wenn er Ihnen ein bischen gefiele. Eine Novelle „der Musikbettler“, die ich im Kopfe ausgearbeitet habe, und die ich für Sie aufschreiben wollte, wird indeß nach ungefährer Berechnung wenigstens 10 Druckbogen stark, und würde sich demnach durch einen ganzen Band der Zeitung schlängeln. Vielleicht passen sich Bruchstücke daraus, aber erst muß sie geschrieben werden. Herr S. W. Dehn unzweifelhaft unser erster Musikgelehrter, den ich gestern sprach, und der jetzt mit der Herausgabe einer kurzgefaßten Generalbaßlehre beschäftigt, die Aufsehen machen und hier bei W. Thome erscheinen wird, sprach den Entschluß gegen mich aus vom neuen Bande an in der „Neuen“ mitzuwirken. Sie können in vieler Beziehung keine bessere Acquisition machen, da er namentlich die alten Perückenstöcke mit großem Anstand zusammenschweißen würde. Wenden Sie sich ja an diesen Mann, er wohnt in der großen Friedrichstr. 98 zwei Treppen hoch. Er erwartet einen Brief von Ihnen, richten Sie ihn aber menschlichleserlich ein. Meine kleine Tochter soll zu einem Geschwister werden, meine Frau geht mit letzten Schritten darauf los. Ich brauch enorm nöthig Geld, um so mehr als mir auch meine einzige Schwester aus Elbing übern Hals gekommen, und mich noch mehr mit Liebe u. Verlegenheit erfüllt hat. Sollte Friese nicht ein Buch von mir drucken wollen, in dem der Musikbettler, der alle musikal. Verhältnisse Berlin’s satyrisch in seinen Schubsack stecken wird, und wenigstens Aufsehen machen muß, das Hauptstück, meine besten, bisher an verschiedenen Orten gedruckten Aufsätze aber in einer Ueberarbeitung das Nebenwerk ausmachen sollen, nebst einem lyrisch poetischen Anhang von mir und meinem Freunde K. Osten. (Baron v. Kosten-Gentzkow) Das Buch soll den Titel „Präludien“ führen und etwa 20 Bogen stark werden. Der über 2 Bogen starke Aufsatz aus dem Freihafen gehört mit hinein. Apropos: – Mundt hat plötzlich geheirathet, eine Clara Müller, Niemand wußte was. Sollte Friese mir nicht 10 Fr’dor darauf vorschießen können? Suchen Sie’s zu vermitteln. Ihr bestgesinnter, grüßender
F. H. Truhn.

Notiz. Der rühmlichst bekannte, beliebte Komponist Hr. A. Neithardt ist von Sr. Maj. dem Könige durch Ministerialrescript zum Königl. Musikdirector ernannt worden.
Bitte um strenge Correctur ud Interpunktion des neuen Aufsatzes.

[BV-E, Nr. 1298:] Mit B. Klein

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 797-800
 



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