15.07.2019

Briefe



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ID: 5903 Brieftext


Geschrieben am: 17.06.1839
 

Lieber Schumann!
Sie schrieben mir, ich soll rüstig fort fahren in meinen Beiträgen für die „Neue“, und das was ich schicke, lassen Sie monatlang liegen, ungedruckt! – Wo ist das Stück Correspondenz, (20 Octav Bogen stark) das mit Kücken’s Operette anfängt, in aller Welt hingekommen? Ich schicke hier zwar etwas Neues, aber das frühere müßte denn doch des historischen Zusammenhanges wegen, erst gedruckt werden. Haben Sie denn damals die Beiträge, die ich auf Ihre Aufforderung und Mahnung an Escudier für die France musicale an Sie einschickte (8 Briefbogen stark) an diesen nach Paris abgehen lassen? und haben Sie jemals etwas mit meinem Namen unterzeichnet in diesem Journal gesehen? Dieser Escudier hat nämlich bis jetzt noch gar kein Lebenszeichen gegen mich von sich gegeben, obwohl die Geschichte nun bald ein Jahr alt ist, denn im August schickte ich jene Manuscripte an Sie. Drei unfrankirte Briefe die ich ihm im Laufe dieses Jahres nach Paris schrieb, und worin ich jedes mal um schleunige Rückgabe des Manuscripts bat, falls es nicht gedruckt in der France sind angenommen aber in keiner Weise beantwortet worden. Wollen Sie nun nicht einmal deutsch und deutlich anfragen? vielleicht antwortet er Ihnen. Ich mache übrigens jetzt Anspruch auf 6 Louisd’or für das eingesandte Manuscript gleichviel ob es gedruckt ist oder nicht, wenn Sie mir nur gefäll. bescheinigen daß es nach Paris an Mr. Escudier abgeschickt worden ist.
Wollen und können Sie mir etwas für Pauline Garcia an Clara, die gewiß genau weiß wo jene zu finden, nach Paris befördern! Aber in der nächsten Zeit, denn den 18 Juli ist Paulinen’s 18ter Geburtstag, und die befindet sich dann vielleicht noch in London, und es braucht doch Zeit von Paris dorthin, und in Ihre Hände. Verrathen Sie übrigens nichts an den fliegenden Holländer! Ueberhaupt an Niemand!! – Und antworten Sie dieser Angelegenheit wegen umgehend, lieber Schumann! Laß doch Lorenz sich von G. Schubert in Leipzig (Verlagscomptoir auf dem Thomaskirchofe [sic]) meine Balladen Lord Guy und Gregory [Op. 25, 26.] und von Hofmeister Op. 24 „Weingeister“ geben lassen und etwas drüber loslassen, aber über die drei Nummern Solo, nicht so in Bausch und Bogen, was man sich jetzt in Leipzig leichtlich angewöhnen kann, da ein Mann da ist, der Bausch heißt, und Bogen macht. Noch etwas! vom 9 Band der „Neuen“ fehlen mir die Nummer 39 und 40; wenn die da wären, so würde ich mich freuen, sie mit Ihrer baldigst erwarteten Antwort mitzuerhalten. Beikommendes offenes Schreiben bitte ich offen und auf sicherm Wege an seine Adresse gelangen zu lassen. Mit solchen Lumpen muß man sich herumbalgen. Wie stehts mit Ihrer Herkunft? Hirschbach ließ neulich für Sie nach Bettina von Arnim fragen. Kommen Sie um dies abgewelkte Blatt vom Baum des Paradieses zu sehen! Ich rathe Ihnen nicht jetzt zu kommen, sondern im October, wo Sie Kunstausstellung und Musik die Fülle haben, auch dann, oder nie mehr, Spontini in Berlin treffen werden. Sein Sie so gut und vergessen Sie nicht meine kleinen Commissionen und Bitten, und Aufträge, und sein Sie nicht böse drüber noch bevor Sie dieselben besorgten. Später gehts eher.
Mit bestem Gruß
Ihr
F. H. Truhn.

Berlin d 17 Juni 1839.

[BV-E, Nr. 1293:] mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.17, S. 795ff.
 



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