19.12.2019

Briefe



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ID: 5928 Brieftext


Geschrieben am: Montag 13.05.1839
 

Berlin d 13 Mai 1839
Lieber Schumann!
Ihr Brief vom 8 d. M in dem ich wieder 5 Wörter nicht lesen kann – warum schreiben Sie nicht mit lateinischen Buchstaben? – beantworte ich hiermit durch den Ueberbringer Herrn Tichatschek, der ein Künstler und ein lieber, lieber Mensch ist. Was ich zur Hebung der Zeitung beizubringen hätte wäre kürzlich folgendes. Vor allen Dingen muß mehr hinein – der Kopftitel kleiner, die letzte Seite Petitdruck, – dann allgemein-verständliches. Ich bitte Sie um Gotteswillen! wenn wir alle so schrieben wie Zuccalmaglio, von dem ich wohl nicht erst zu sagen brauche, daß ich ihn sonst hochschätze. Hauptsächlich müssen Sie mehr schreiben, und wieder ’mal was Größeres, wie damals über Berlioz etc. Dann müssen von Zeit zu Zeit Musikanstreifende Aufsätze von nahmhaften Literaten wie Mundt, Kühne etc. zu finden sein, auch wär es gut, wenn man Banck wieder hineinziehen könnte. An Ihnen ist es jetzt, einen fulminanten Artikel gegen die „Alte“ zu schreiben, die mit einem Schlage, den ich dann in politischen Blättern weiter leiten werde, vernichtet werden muß. Auch muß man jetzt Acht haben, daß der mausfreche Schilling nicht zu sehr um sich greift. Dieser Schilling hat mir nie etwas zu Leide gethan, ich kenne ihn nur aus seiner Polemik gegen Dorn und Becker, aber ich kann Ihnen nicht sagen wie sehr ich diesen Kerl hasse. Noch etwas, was Noth thut: einige tüchtige Artikel über das Verhältniß deutscher Componisten zu deutschen Musikhändlern im Vergleich mit Frankreich. Aber schonungslos und mit bittrer Schärfe. Wenn in einigen Nummern eine auffallende Correspondenz aus einer Stadt sich befindet, von wo aus selten etwas verlautet, so müssen einzelne Exempl. dieser Nummern zum Kauf an eine dortige Buchhandl. gesandt werden. Eben so ist’s mit Recensionen oder Charakteristiken einzelner Künstler zu halten, die nicht in näherem Bezuge zum Journal stehen. Auf diese Weise wird manches verkauft und aus Erfahrung weiß ich, daß hier in Handlungen oft nach einzelnen Nummern der „Neuen“ gefragt wurde. Die Musikbeilage muß nach meiner Meinung jedesmal nur ein Genre vertreten. Gesang, – Pianof, – Mehrstimmiger Ges., und à quatre mains. Ich schließe jetzt, vielleicht fällt mir später noch mehr u besseres ein. Ist denn der Hofmeister krank? warum schreibt der Mensch nicht, warum schickt er mir kein Geld? dieser Pharisäer. Können Sie mir vielleicht umgehend 2 Frd’or schicken? Apropos den „Sylvernachtstraum“ habe ich jetzt in einen Geburtstag Sebastian Bach’s umgewandelt – den 21 März, an welchem Tage die Todtenfeier für Berger hier stattfand. Das hab’ ich gut zusammengebracht. In dieser Woche schicke ich’s noch. Eine Novelle bald.
F. H. Truhn

Herr Tich[atschek]

Wohlgeboren
Robert Schumann
[Redakteu]r der „neuen Leipziger Musikzeitung“
Leipzig
par Robert Friese

[BV-E, Nr. 1257:] durch Tichatschek

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 791ff.
 

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