19.12.2019

Briefe



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ID: 600 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 04.10.1848
 

Dresden d. 4 <Septbr.> October 1848

Geehrter Herr,

Im Auftrage meines Mannes, der eben sehr beschäfftigt ist, sende ich Ihnen beifolgendes „Weihnachts-Album für kleine und große Kinder“ von meinem Manne, welches er so eben beendet hat. Mit diesen Zeilen geht ein Brief von ihm an Schubert ab, dem er das Werk zum Druck anbietet; um ihm nun aber gleich einen Begriff vom Inhalte zu geben, läßt er Sie bitten, Sich einige der Stücken, etwa: Schnitterlied, Erntelied, Reiterei, Matrosenlied, Erinnerung (an <w>Wem, werden Sie gleich errathen), Weinlese, wilder Reiter, ect. ect. anzusehen und ihm (Schubert) dann vorzuspielen. Um nun aber das Werk bis Mitte Nov. fertig zu bekommen, was Robert wünscht, müßten Sie freilich bald spielen und Schubert bald drucken. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß dieses Werk, dem ich schon manche genußreiche Stunde verdanke, sich einer großen Theilnahme erfreuen wird, denn nicht allein, daß die Stücke durch ihre Originalität, mit der sie den Spieler und Hörer in die verschiedensten Stimmungen versetzen, auf’s höchste interressieren, <> so sind sie auch leicht ausführbar, und glaube ich, wird mit diesen Stücken dem Wunsche vieler Dillettanten entsprochen, die eben nicht ausgezeichnet genug spielen um größere Klaviercompositionen Robert’s auszuführen, und doch in diesem scheinbar kleinern Werke einen Schatz von Poesie und Gemüth entdecken müssen. Diese Ergießung, lieber Herr Reinecke, unter uns, denn es möchte wohl Manchem Anderen sonderbar erscheinen, daß ich als Frau, so ur theile, doch Ihnen, einem Musiker gegenüber scheint mir das wohl erlaubt. Robert empfiehlt sich Ihnen freundlichst! wir sehen Sie<> wohl bald wieder einmal hier oder in Leipzig! Grüßen Sie Madam Petersen sowie Nannette herzlichst von mir, und auch Sie nehmen einen freundlichen Gruß entgegen von mir
Ihrer
ergebenen
Clara Schumann.

Lieber Herr Reinecke,

Nur zwei Zeilen heute – und mehr und ausführliche Antwort auf Ihre erst heute erhaltene Sendung mit Correctur in den nächsten Tagen. Das Album, namentlich von etwa Nro 8 an, wird Ihnen, denk’ ich, manchmal ein Lächeln abgewinnen. Ich wüßte nicht, wenn ich mich je in so guter musikalischer Laune befunden hätte, als da ich die Stücke schrieb. Es strömte mir ordentlich zu. – Nun noch eine vertrauliche Mittheilung. Ich habe von Schuberth <>50 Ld’or Honorar verlangt. Finden Sie dies seinen Verhältnissen nach zu hoch, so schreiben Sie mir es offen. Findet es aber Sch. selbst nicht, um so beßer. – Auch ich, wie meine Frau schon, bitte Sie die Sache möglichst schnell ordnen zu helfen, da Weihnachten so nahe.
Ihr
R. Sch.

Schreiben Sie mir immer direct durch Post, nicht durch Gelegenheit.

[BV-A, Nr. 1340:] C. Reinecke Hamburg [Bemerkung:] Mit Album. Ob
50 Ld’or Hon. zu viel verlangt wäre Schuberths Verhältnissen nach.

  Absender: Schumann, Clara / Schumann, Robert (1435)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Reinecke, Carl (1243)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
700ff
 



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