19.12.2019

Briefe



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ID: 601 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 06.10.1848
 

Dresden, d. 6ten October 1848.

Lieber Herr Reinecke,

Erst den 4ten Oct. habe ich also Ihre Sendung vom 19. Sept. erhalten, und Sie sehen daraus, wie langsam die Gelegenheiten sind. Schreiben Sie mir nun gefälligst, auf welchem Wege ich die Correktur und die Lieder zuschicken soll, ob vielleicht durch Hrn. Dehuberth's Commandite in Leipzig, oder wie sonst. Nur einige wenige Fehler hab' ich gefunden, auch gefällt mir so der Sonnenschein weit besser. Passend fänd' ich es, wenn bei den aus Männergesang in's Clavier übertragenen Liedern (wie bei den Minnesängern) dies mit einem Worte bemerkt würde.
Die Männergesanglieder haben Sie so gut wie möglich für die 2 Soprane bearbeitet, nur hier und da habe ich eine Note geändert. Am besten, glaub' ich, würde der träumende See für Sopran klingen (aber nach F-dur transponirt). Vielleicht nehmen Sie das noch hinzu. Haben Sie denn vielen Dank für die Mühe und den Fleiß, die Sie diesen meinen ältern Kindern gewidmet; auch meine jüngsten – vorgestern abgegangenen – bitten um Ihre Theilnahme. Freilich liebt man die jüngsten immer am meisten; aber diese sind mir besonders an's Herz gewachsen – und eigentlich recht aus dem Familienleben heraus. Die ersten der Stücke im Album schrieb ich nämlich für unser ältestes Kind zu ihrem Geburtstag und so kam eines nach dem andern hinzu. Es war mir, als fing ich noch einmal von vorn an zu componiren. Und auch vom alten Humor werden Sie hier und da spüren. Von den Kinderscenen unterscheiden sie sich durchaus. Diese sind Rückspiegelungen eines Aelteren und für ältere, während das Weihnachtsalbum mehr Vorspiegelungen, Ahnungen, zukünftige Zustände für jüngere enthält. Aber was sprech' ich Ihnen vor, der Sie sich so theilnahmsvoll in meine Musik hineingedacht. Besser wie jeder Andere werden Sie den Sinn des Werkleins verstehen und ihm die rechten Seiten abgewinnen.
An Hrn. Schuberth wendete ich mich wegen der Herausgabe, weil Eile nothwendig ist, und weil ich glaube, wenn er will, setzt er etwas durch. Daß er übrigens kein schlechtes Geschäft damit macht, dafür möcht ich einstehen; von allen meinen Compositionen glaub' ich werden diese die populärsten. Nur muß auch das Album ein hübsches, entsprechendes Aeußere haben. Sagen Sie Hrn. Schuberth, sobald er wegen der Herausgabe entschlossen ist und sich für eine Leipziger Offizin entschieden hat, in der das Album gestochen wird, möge er mir den Namen der Offizin gleich sagen, damit ich dann in Leipzig, wohin ich nächster Woche auf einige Tage reise, noch persönlich alles mit dem Stecher besprechen kann.
Erst dachte ich mir jedem der Stückchen eine Randzeichnung (Illustration) – aber wie gesagt, die Zeit bis Weihnachten ist zu kurz dazu. Aber für ein hübsches Titelblatt müßte jedenfalls gesorgt werden. Den Stich denke ich mir klein; wie in den Kinderscenen, und umrandet mit einer hübschen Arabeske – aber nicht hoch – sondern Querformat. Theilen Sie von diesen meinen Gedanken Hrn. Schuberth noch mit, was Sie für gut finden und bitten ihn, im Fall er nicht eingeht, mir das Manuscript auf das Schleunigste p. Post zurückzuschicken, damit ich mich dann nach einem andern Verleger gleich umsehen kann. Wann kommen Sie nach Leipzig? Sehr freue ich mich, mit Ihnen dort einige Wochen zusammen zu verleben, da ich im Monat Januar zum Einstudiren meiner Oper dort auf einige Zeit zu bleiben gedenke. Dann wollen wir nach Herzenslust musiciren und auch aus Ihrer Symphonie und dem Concerte, hoffe ich. Empfehlen Sie uns Mad. Peterson und sein Sie selbst herzlich gegrüßt. Ich bitte Sie mir umgehend zu melden, ob das Album richtig in Ihre Hände gelangt ist, und wie weit Sie etwa wegen der Ausgabe mit Schuberth gediehen sind.
Der Ihrige.
R. Sch.

Schreiben Sie mir die Addresse Ihrer Wohnung,24 damit ich <mich> nach Belieben direct an Sie schreiben kann.

[BV-A, Nr. 1342:] C. Reinecke Hamburg [Bemerkung:] Genaueres wegen des Albums noch. Wie ich die Correcturen ihm zurückschicken soll. Er möchte umgehend schreiben.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Reinecke, Carl (1243)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
703-706
 



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