15.07.2019

Briefe



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ID: 6017 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 07.08.1838
 

Berlin 7/8 38.
Geehrtester Herr u Freund,
Seit 4 Tagen von meiner kleinen Reise zurück, beeile ich mich, Ihnen beikommende Uebersetzung meines Ihnen von Bernburg aus, mit der Post zugesendeten Liedes zu übermachen. Eigentlich geschieht dies auf Veranlassung Mendelssohns, der sehr richtig bemerkte, daß es 4stimmig noch dankbarer seyn dürfte, wobei ich ganz in Ihre Wahl stelle, das erstere mitzugeben, oder nicht. Sind Sie indessen um den Raum nicht etwa verlegen, so möchte das einstimmige mit Fortepiano-Begleitung doch auch Manchem willkommen seyn, denn 4 Stimmen finden sich nicht überall u leicht zusammen. Bemerken muß ich, daß Beikommendes nicht jenem unterlegt werden kann, sondern wie hier u zwar die 6te oder oder Schlußstrophe auch noch ganz für sich zu geben ist; auch soll in beiden Gattungen die Verschiedenheit bestehen, daß in der Einstimmigen die Coda allen 6 Strophen, im 4stimmigen dagegen nur der letzten Strophe angehängt wird. Die in den 2 letzten Tackten der ersten 5 Strophen befindlichen Verkürzungen der 3 Unterstimmen, habe ich in der Eil nicht kompendiöser u deutlicher zu geben verstanden, als eben nur die abgekürzten theils veränderten Worte ohne Noten, den beiden Tackten seperat unterzufügen, was freilich ungeschickt erscheint u wogegen Sie, lieber Freund vielleicht bessern Rath wissen. – Sie haben also einige meiner Kompositionen wirklich recht lieb?? daß Sie mir dies [in] Ihrem letzten Schreiben und besonders in jener Beziehung sagten oder zuflüsterten, daran thaten Sie sehr wohl; denn mir wird, – seit mehren Jahren musikalisch fast ganz zurückgezogen – ja fast erloschen! – solche Freude nur selten. Mit meinem Krankheitsübel bessert es sich seit dem letzten Ausfluge merklich, und ich habe wieder Hofnung, noch ganz hergestellt und meiner Muse wiedergegeben zu werden. – Leben Sie recht wohl! und grüßen Sie freundlichst meine dortigen Freunde. – Mendelssohn denkt [sic] schon in 8 Tagen nach Leipzig zurück. (Er überraschte und erfreute mich neulich ganz ungemein durch eine freie Phantasie, worinnen er mehre meiner Themata stets ganz großartig verarbeitete – die erste Freude dieser Art, von einem ehemaligen Schüler!
Ihr guter Freund
L Berger

bis 1ten 8br Friedrstr 133.

  Absender: Berger, Ludwig (191)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 94f.
 



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