19.12.2019

Briefe



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ID: 612 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 19.12.1849
 

Dresden, d. 19. December 1849.

Geehrter Freund,

Nur wenige Zeilen sind mir Ihnen zu schreiben vergönnt. Seit acht Tagen leide ich an einer Augenentzündung, durfte die ganze Zeit her weder schreiben, noch lesen. Erst seit gestern geht es etwas besser. Doch muß ich mich noch sehr schonen.
Zur Sache und zur Erklärung des beifolgenden Album. Ich hatte Brendel im Interesse Härtels gebeten, von letzterem womöglich noch vor dem Fest eine Anzeige in seiner Zeitung erscheinen zu lassen und Sie vorschlagsweise zu meinem Kritiker angeführt, da Sie mich, glaub ich, von allen mit am besten verstehen. Er schreibt mir nun, vor dem Feste sei ein Erscheinen der Kritik wohl nicht mehr möglich, er wäre aber ganz damit einverstanden, daß Sie die Anzeige übernähmen. Zu diesem Zweck lege ich nun das Exemplar bei. Sie werden es am besten aussprechen, was ich damit gemeint habe, wie ich namentlich dem Jugendalter angemessene Gedichte, und zwar nur von den besten Dichtern, gewählt, und wie ich vom Leichten und Einfachen zum Schwierigen überzugehen mich bemühte. Mignon schließt, ahnungsvoll den Blick in ein bewegteres Seelenleben richtend. Möchte es Ihnen denn eine Arbeit sein, die Sie gern machten! Von Ihnen selbst verlangt es mich bald Genaueres zu hören. So lange sah ich auch nichts von Ihren Compositionen. Sein Sie vielmals gegrüßt und hören nicht auf, in der Kunst zu vergessen, was Widerwärtiges das Leben zu Zeiten bringen mag.
Der Ihrige
R. Schumann.

[nach: Wasielewski 1880, S. 420]

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Klitzsch, Emanuel (835)
  Empfangsort:
 



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