19.12.2019

Briefe



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ID: 6184 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 08.09.1837
 

Dresden d. 8. Sept. 1837.
Verehrter Herr
Verzeihen Sie wenn ich, als eine Ihnen völlig Unbekannte, es wage mich mit einer Bitte an Sie zu wenden. Es ist nicht für mich sondern im Nah¬men der Wittwe unsers trefflichen Concertmeisters Rolla, daß ich sie thue. Dieser leider so früh verstorbne Künstler hinterließ drei Instrumente von seltner Schönheit, 2 Violinen von Stradivario und eine Viola von d’Amati, alle trefflich erhalten und von ganz ausgezeichnet schönen Ton, stets von Meisterhand ausgespielt. Die Wittwe muß sehen sie zu verkaufen. Woll¬ten Sie uns wohl die Güte haben in Ihrer so allgemein geschätzten und gelesenen |2| neuen musikalischen Zeitschrift dies anzukündigen? Die eine dieser Violinen war das Lieblingsinstrument des berühmten Alessan¬dro Rolla in Mailand, der sie unsrem Antonio Rolla, seinem geliebtesten Sohne schenkte; in dem Bogen stehen die Worte: „Dono Paterno.“ Die Wittwe würde auch sehr wünschen die sehr reichhaltige Sammlung von Musikalien zu verkaufen, wenn auch mit beträchtlichen Rabatt. Es fehlt kein ausgezeichnetes Werk für Violine darin, alle klassischen Meisterwerke sowohl als auch alle neuern Werke sind hier vereint, sehr gut gehalten; es war Rolla’s einzige Lust und er hat über 1 400.rh daran gewendet. Es ist ein Katalog darüber gemacht worden; sie würde es am liebsten Parthienweise verkaufen, je mehr jemand |3| nähme um so größer wäre der Rabatt. Würden Sie vielleicht die Güte haben dies auch zu erwähnen, oder mit Musikfreunden davon sprechen, oder ihr einen guten Rath geben was da zu thun wäre um es bekannt zu machen? Ich erbiete mich gern Vermitt¬lerin zu seyn wo es nöthig wäre, weil die arme Rolla nicht viel deutsch versteht.
Ich rechne auf Ihre Güte, wem der innere Sinn der Harmonien so erschlossen ist, der wird auch gern wohltuend eingreifen in die Lebens¬akkorde!
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihre
ergebenste
fleißige Leserin
Therese von Winckel.
im italiänischen
Dörfchen Nro 17.
|4| Sr Wohlgeboren
dem Herrn Robert Schumann
Redakteur der neuen Zeitschrift
für Musik in
Leipzig
frei

  Absender: Winkel, Therese von (1725)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
403 f.
 



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