15.07.2019

Briefe



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ID: 6186 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 09.09.1837
 

Lieber Schumann!
Herr Anton Gerke, der Ihnen diesen Brief bringt ist einer der liebenswürdigsten Menschen und einer der besten Clavierspieler, die mir je begegnet. Nun Sie werden Ihn kennen lernen, es ist ein Künstler durch und durch, bis auf die Knochen. Mein Gott! wie haben Sie den guten Meyerbeer beschossen, eine übermäßige Septe mitten durch den Leib gerannt. s’ist Schad’; er ist im Umgange sehr scharmant. Ich habe einen tiefen Schmerz zu bekämpfen gehabt; denken Sie nur – mein kleiner Bub Franz ist mir gestorben. Er war schon so lieb; da kommt die abscheuliche Hirnwassersucht – eine schlechte Erfindung – und streckt ihn todt hin. Unwiederbringlich auf Nimmerwiederkehr – todt, todt! Doch fort von dem trüben Bilde zu noch trübern. Ach! es ist tragisch einen König, einen Napoleon im Unglück zu sehen – aber einen Künstler mit blutendem Herzen in bürgerlicher Bedrängtheit zu wissen, und dieser Bedrängte selbst zu sein, – das ist ein nagendes, zuckendes Bewußtsein. Genug davon. Wollen Sie mir einen Liebesdienst erweisen Liebster – so schicken Sie gefälligst mein beikommendes Manuscript Op. 24 durch Ihren Puck oder Droll (mir gleich) an die Herrn Peters, Kistner, Härtel[,] G. Schubert und Wunder, aber nicht an Hofmeister, der hat schon zu viel von mir. Wer’s nicht will schickt es dann gleich an Sie zurück, und sind so gut es gleich an einen andern zu expediren. Das Honorar ist 8 Stück Fr’dor, aber nehme ich auch, will die einer geben, so bitte ich Sie zu acceptiren und mir umgehend zukommen zu lassen. Vielleicht gelingts bald. Ueber Gerke habe ich in der Staatszeitung geschrieben und mit T unterzeichnet. Ist Ihnen noch daran gelegen Ihr Journal in dieser Zeitung besprochen zu sehen, so lassen Sie’s mich wissen. Apropos haben Sie denn ein Heft Lieder, bei Schiele edirt, erhalten? Hat Simrock schon das Heft Seraphina geschickt? Doch ich muß schließen, der Gerke in grauen Kosakenhosen packt stürmisch ein. Er wird Ihnen viel von Bennett erzählen. Leben Sie wohl und schreiben Sie bald ’mal. Laube’s Frau sieht in der Verbannung, in Muskau Ihrer Entbindung entgegen. Nochmals Lebewohl.
Ihr
F. H. Truhn.

Berlin 9 Sept 1837.

Adresse. Friedrichsstr. 209 im Laden. Durch Musikhandlungen zu übermitteln.

Des
Herrn Robert Schumann
Wohlgeboren
Leipzig
im rothen Collegium

[BV-E, Nr. 703:] durch A. Gerke

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 753ff.
 



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