19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 6258 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 25.02.1837
 

Mein verehrter Herr Schumann!
Ich habe in den Frühstunden zweier Sommer mir zu einem Opernbuch, welches ich mir selbst schrieb, eine Musick gemacht, die mir gefällt! Wie könnte es auch anders sein, als daß einem Autor sein eignes Werck, erkenne er auch tausend Mängel daran, im Ganzen doch gefallen müße; sonst würde er es ja gar nicht so gemacht haben! Das Scenische der Oper, und die Melodien der Lieder (ich möchte das Werck lieber: „romantisches Liederspiel“ nennen, als ihm den pretentiösen Namen Oper beilegen) scheint mir, müßen Effect machen und ansprechen. Von jeher habe ich Melodie, welche aus uns heraus gehn muß, nicht erdacht, nicht b[e]rechnet und |2| erkünstelt werden kann, und die die Natur tief in die Seele ihrer begünstigten Geschöpfe legte, für das Eigentliche des Gesanges gehalten; darum gefällt mir meine Oper; wenn sie auch nicht frei von leisen Anklängen meines unvergeßlichen und unsterblichen Freundes Carl Maria ist!
Nun möchte ich gern über dieses Machwerk das Urtheil eines unpartheiischen, tüchtigen und geistvollen Mannes, mit einem Wort: das Ihre haben!
Ihre Zeit ist aber Ihr Capital; ich nehme, wie natürlich, kein Geschenck eines Capital’s. Sagen Sie mir, was soll ich Ihnen für das Durchsehen (nicht Correctur, denn wie sie nun einmal ist müßte diese kleine Oper wohl bleiben) derselben, für Ihre |3| Meinung darüber, geben? Dann sende ich sie Ihnen zu. Sie fühlen, daß ich es nicht anders kann; und ich vertraue auf die Billigkeit Ihrer gefäll. Forderung. Werden Sie dann der Meinung sein, daß sie sich für die dortige Bühne eignet, so steht sie, in Stimmen ausgeschrieben, gratis zu Dienst; jedoch nie unter dem Namen Lasekk, (weshalb ich Ihr Wort nehme, daß Sie davon gegen Niemand sprechen) sondern unter irgend einem fingirten Namen. Dann, werde sie ausgepocht, oder beklatscht, dem Kaufmann vergiebt man nie, etwas anderes als das mercantile zu treiben; und es finden sich immer |4| tausend Stimmen, welche höhnisch ihr: ne sutor – rufen! Leben Sie wohl und sein Sie meiner wahren Hochachtung gewiß! Warum besuchen Sie uns nicht einmal hier? Sind wir Dresdn[er] denn gar nichts werth? Ich ließ Sie schon durch die liebenswürdige und holde Fräulein Clar[a] darum bitten. Ich hoffe sie hat es Ihnen ausgerichtet. Ihr ergebener
Carl Kaskel
Dresden d. 25t. Feb. 1837.

  Absender: Kaskel, Carl (790)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
283-285
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.