15.07.2019

Briefe



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ID: 6283 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 24.12.1836
 

Ich weiß nicht womit ich es verdient habe daß Du mir weder sendest was mir gehört noch auf alle meine Briefe mir auch nur eine Zeile erwiderst da Du Dir doch wohl vorstellen kannst in welcher Verlegenheit ich seyn muß, da ich Dir so oft um die paar Thaler schreibe, denn sonst wahrlich würde ich mich nicht so erniedrigen noch ein Wort über die ganze Angelegenheit zu verlieren sondern denken: „Schumann hat undankbar, grob u schlecht an Dir gehandelt, laß ihn laufen, und verliere deinetwegen das Geld –“ Das kann ich jetzt nicht denn meine Frau verlöre es mit mir und die braucht es. Am 2ten December ist das erste Capitel des Gluck fertig erschienen, mithin muß die ganze Novelle jetzt schon längst abgedruckt seyn – ich ließ Dich keinen Tag warten versäumte meine andren Arbeiten darüber und warte nun schon 4 Wochen vergeblich auf Antwort u Geld. Sendest Du mir nicht umgehend das Geld entweder baar oder in sicherer Anweisung, so will ich verdammt seyn wenn ich je wieder eine Zeile für Dich schreibe ich sende dann meinen vollendeten Tartini an Castelli und erkläre in der Theater-Chronik: wo künftig meine Kunstnovellen zu suchen sind Mach daß ich Dich nicht für schlecht halte was ich müßte wenn Du, der Du weißt daß ich in Noth bin mir meinen gewiß ehrlich verdienten Lohn vorenthälst – Ich wenigstens würde es selber was ich Dir schuldig bei Christen und Juden zusammenborgen als daß ich es darauf ankommen ließe solche Briefe von einem Freund zu erhalten als ich Dir leider Gottes! – habe schreiben müßen. Bedenke das u beßere Dich
Dein
Burmeister-Lyser!

Dresden den 24 December 1836

PS. Ich hoffe daß Du meine erste Erklärung wohlverstanden, nemlich daß ich die Novelle fortan in Bausch und Bogen mit 4 Louisdor bezahlt haben wolle damit ich nicht immer durch Dein Streichen auch noch pecuniären [schaden] hätte – nur in dieser Voraussetzung sandte ich Dir den Gluck und erwartete die Anweisung umgehend.

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 729ff.
 



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