19.12.2019

Briefe



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ID: 6285 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 29.12.1836
 

Fratello!
Daß Dir der Schluß des Gluck gefällt freut mich ich habe im Druck nur die erste Lieferung gesehen sind aber die mir übersandten 9 Thaler das ganze Honorar? Dann mußt Du ihn schön zusammengestrichen haben um ihn mir nach der Bogenzahl zu berechnen Ich bitte dich Mensch nimm Vernunft an und bedenke daß wenn ich dir wahrhaft nützen soll Du [mich] nicht immer castriren darfst weder an den Mspten noch den – bei Gott nicht übertriebenen Honoraren. Du weißt recht gut daß ich Dich lieb habe um Deines Herzens und Deiner Genialität willen, aber darauf solltest Du nicht trotzen und Dich gegen den auf den Du sicher rechnen kannst immer so dumm benehmen Denkst Du denn daß es mir nicht weh thut wenn ich Dir so grob schreiben muß? ich sage Dir, es thut mir weh denn ich weiß daß es ein Mißverhältniß ist, wenn ein Freund dem andern so schreiben darf und der andere es so einstecken muß wie Du, denn unrecht hast Du und wenn Du sagst: „Ich weiß schon wann ich zahlen muß“, so sage ich Dir: „und ich weiß wann ichs haben muß und hab es Dir gesagt, soviel will ich für meine Arbeit und willst Du sie so sende das Geld umgehend denn mein Weib braucht es nothwendig in der Wirthschaft. Ich hoffe daß Du so viel Billigkeit und Honneur im Leibe hast es bei den 9 Thalern für den ganzen Gluck nicht bewenden zu lassen und in dieser Hoffnung sey der Sache für diesmal nicht weiter gedacht, jetzt arbeit ich den Tartini nochmals sorgfältig über es ist ein keckes lebensfrisches durch und durch drolliges Bild – (Sein Studentenleben, heimliche Ehe, Klosterleben, Teufelssonate und Wiedereintritt in die Welt.) aber ehe ich es für ein Lumpengeld weg werfe schenk ich es meiner Frau zum Papillotten drehen. Für Beethovens Denkmal glüht mir der Kopf, da will ich ein Blatt entwerfen wie es noch nicht dagewesen ist und auch so leicht nicht wieder kommen soll, wohlgemerkt wenn Du mir gute Ausführung zusicherst denn jeder Kopf soll tönen! natürlich daß ich für solch eine Arbeit zu solchem Zweck nichts verlange so ein Blatt könnte mir nur der Alte selber durch eine Gegendichtung bezahlen, schreib mir Bestimmtes darüber und wann Du es haben mußt und sende mir das genaue Format dann kannst Du fest deinem Verleger versprechen er erhielte etwas Großes.
Was den Hegrin betrifft so leugn’ ichs nicht, ich wollte sogar es hielte das wohlgetroffene Portrait dem Kerl Einer vor und sagte ihm: Ecce Homo! – was wirst Du sagen wenn ich Dir mein Ehrenwort gebe daß noch lange nicht das Schlimmste von ihm dasteht? –
Nun wüßt ich nichts mehr als etwa, daß Du das Lied meiner Frau so druckst wie sies geschrieben und daß Du – ganz natürlich die Sache hinsichtlich des Gluck so abthust wie es Deiner, der Kunst meiner und unserer Freundschaft würdig ist. Hast Du mir übrigens den Gluck zu toll zusammen gestrichen so laß ich ihn in irgend einer andern Zeitschrift mit der Erklärung „warum?“ so abdrucken wie ich ihn schrieb. Ich bin Dir gut das glaube aber sey honett und billig – grüß Felix 10000 mal
Dein Burmeister-Lyser

Motto:
Ich will mein Recht!
||Hans Kohlhas.||
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9 Thaler hab ich bekommen, also da ich 4 Louis forderte erhalte ich noch nach Recht 13 Thaler und 16 Groschen.

  Absender: Lyser, Johann Peter (995)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
731-734
 



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