15.07.2019

Briefe



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ID: 6326 Brieftext


Geschrieben am: 15.11.1837
 

Berlin d 15/11 37
Bester! Sie haben ja ganz unbarmherzig gestrichen – die ganze schöne Historie von der Singakademie und Felix Mendelssohn. Na! ich kann mir’s wohl denken, – nicht wahr, Mendelssohn will’s nicht haben? Denn ist’s auch gut. Gegen Rellstab muß aber alles durchgehen, was nicht direkt persönl. ist, sonst schreib ich nicht mehr. Solche Mittelmäßigkeiten müssen vernichtet werden. Ha! könnte ich in der Spenerschen so schreiben wie ich möchte – kein Hahn krähte mehr nach dem dicken Schwachkopf. Hofmeister hat um das Manuscript der Weinlieder geschrieben. Ich hab sie nicht, Sie haben sie nicht, – nun sagen Sie mir um Gott! mit wem haben sie das Manuscript abgeschickt und wohin. Bitte umgehend um Antwort, d. h. wenn’s sich noch nicht gefunden hat. Ich habe gar keine Abschrift davon, und es nochmals aus dem Gedächtniß aufschreiben, lieber will ich die Venetianer von Ludwig Rellstab komponiren. Sollten Sie gelegentlich H. Pohlenz sprechen, fragen Sie ihn doch, ob er meine beiden Balladen „Lord Gregory“ und „Graf Guy“ erhalten hat, und ob keine Fehler darin; dann was er damit zu thun denkt, ich möchte nämlich gern, daß die Schlegel die Sachen sänge. Henselt’s Variationen wurden am 13ten in einer Ressource wo ich die Musik arrangire von einem Hr. M. G. Schumann recht brav vorgetragen. Es fehlte nur noch an einiger Freiheit. Ueber den Fr’dor quittire ich, können Sie noch einen entbehren, so bitte ich umgehend darum, denn ich brauche es noch immer höchst nöthig. Vielleicht können Sie mich auf Jemand allhier anweisen, da spar ich’s Porto. Sorgen Sie doch nun, daß mir das Freiexemplar der Zeitung durch die hiesige Musikhandlung „Stackebrandt Jägerstr. “ zukommt. Vom 21ten April 37 ist mein letztes Blatt, von da möcht’ ich sie haben, um sie einbinden zu lassen. Stackebrandt’s Comission in Leipzig wird leicht zu erfragen sein. Als briefl. Mittheilung könnten Sie erwähnen, daß ich am Tage der Aufführung des Don Juan eine kleine Festlichkeit arrangirt hatte, bei der sich Mundt, Gutzkow, Mügge, Glaßbrenner u. a. befanden. Mozarts Büste hatte ich mit Lorbeer geschmückt, es wurden Toaste ausgebracht und viel dummes Zeug über Kunst u dgl gesprochen. Erst nach 2 Uhr gingen wir nach Hause. Dieses müssen Sie aber einkleiden, als käm’s von fremder Hand. Nun leben Sie wohl! und genügen Sie meinen Bitten: Hofmeister, Pohlenz, Geld, Zeitung
Ihr
F. H. Truhn
Friedrichst 108 bei Pattri

Mr. Rob. Schumann
NB. Stackebrandt’s Commissionair heißt Wienbrack, durch den also bitte ich mir die Freiexemplare zu schicken.

[BV-E, Nr. 773:] Mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.17, S. 762ff.
 



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