19.12.2019

Briefe



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ID: 6437 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 10.02.1838
 

Lieber Gemüthsmensch!
Ich befinde mich in einer sehr unbequemen Herzensangst, daß mein letzter dummer Brief Sie in einer feindlichen Stimmung angetroffen und Sie auf mich böse gemacht haben kann. Das wär der Teufel! Aber Sie werden doch gesehen, daß er aufrichtig und gut gemeint war, und ihn lächelnd zerrissen haben. O ich kenne ihr Lächeln, und habe Sie oft darum schweigend beneidet. Vielleicht komme ich bald wieder nach Leipzig um Sie so graziös und menschenfreundlich lächeln zu sehen. Ich wollt Sie wären mein Bruder, dies Lächeln würde mich von vielen dummen Schmerzen heilen, die ich jetzt gar Niemand erzählen kann. Auch Ihnen nicht. – Der Aufsatz von v. K. ist gar zu aristokratisch-spontinisch, aber doch besser als ein dünkelvolles Herabsetzen wie der dicke Rellstab thut. Am Sonntag den 4ten Feb. trat eine Dlle. Hussack zum erstenmal (überhaupt) als Agnes auf. Ein kleines Ding mit dickem Kopf aber tüchtiger Stimme und Musik. Kann eine gute Conzertsängerin werden, – wenn sie sich nicht todt schreien muß. Aber sie hat eine Brust wie Erz, wahrhaftig! Das über den Rattenfänger (von Oswald L?) hat mir sehr gut gefallen, weil es vollkommen mit mir übereinstimmt. Und wie hat der dicke Rellst. das Ding gelobt. Nicht wahr?! Beikommend über die Novello. Aber nicht so viel streichen. Lieber gleich remittiren, doch ohne böse zu sein. Wollen Sie den Lord Gregory auf den ich etwas halte in Ihre Musikbeilage aufnehmen? das Honorar ist mir gleichgültig, wenn ich’s nur gleich bekomme, denn meine Frau will mich wieder zum Vater machen, und ich muß nehmen, was ich kriegen kann. Schicken Sie mir ein bischen Geld, lieber Schumann! ich brauch’s. Wie steht es denn mit der musikalisch Zeitung, ich habe sie bis zum 6 Band N. 32. und will sie durchaus vollständig bis auf die letzte Nummer und ferner haben. Friese soll sie an Schlesinger schicken, und ich will bezahlen wenns nicht anders ist; aber vollständig muß ich sie haben. Nun könnten Sie ’mal auch wieder einiges von mir recensiren lassen, wenn’s geht. Da sind zwei Hefte von Stackenbrandt, 1 von Schiele, „Seraphina“ von Simrock, und jetzt vor allem die „Lieder der Nacht“ bei Hofmeister, die ich gar gern besprochen sehe. Einige Druckfehler sind stehngeblieben und ich schreibe eben an Hofmeister wegen Correcktur. Wenn dies Manuscript benutzt ist, schicke ich nächstes mehr. Nun leben Sie wohl, und bleiben Sie gut
Ihrem aufrichtigen
F. H. Truhn.

Berlin d 10/2 38.

[BV-E, Nr. 862:] Mit Comp. u. Corresp. NB.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 768ff.
 



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