19.12.2019

Briefe



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ID: 6449 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 02.03.1838
 

Lieber Freund!
Ich habe mich gefreut daß Sie sobald mein letztes Geschreibe abgedruckt, und so brav corrigirt haben. Da sind die „Baltischen Blätter“ für die ich arbeitete, und mich immer über die lächerlichen Druckfehler, die der Corrector stehen läßt, ennuyire. Beikommend nun ein Manuscript, was ihnen [sic] vielleicht zur rechten Zeit kommt, sollte es nicht, so bitte ich es umgehend zurück, da ich es dann, wiewohl ungern, anderweitig verwenden kann. Ueber die Singakademie, die Soireen des Möser, und die der Hr. Zimmermann etc – wenn sie abgeschlossen, meine größeren Artikel als Resümée der Winterereignisse, nächstens! Vorher werde ich noch über die Norma und die neueinstud. Belagerung von Corinth schreiben. Fräul Löwe ist in der Somnambula vor ihrer 2monatl. Urlaubsreise zum letztenmale aufgetreten. Sie ist nach Hamburg. Rellstab hat einen höchst oberflächlichen Schwall über die deutsche Musik in das Büchnersche Taschenbuch 1838 geliefert. Zb. unter den Liederkomponisten sind Franz Schubert, und C. Kreutzer gar nicht mal genannt, B. Klein wird über Gluck gestellt, Rossini der Kotzebue der Musik genannt usw. Schreiben Sie mir doch, ob ich dieser geschwollenen Abhandlung das Wasser abzapfen soll. Es ist wirklich Zeit, daß diesem aufgeblasenen Schafskopf einmal das dummstolze Gehirn gepfeffert wird; dh. mit allem Anstand. Nun bitte ich Sie meine sechs letzten Briefe oder Billets durchzufliegen und auf all meine Bitten ud Fragen endlich vollständig und befriedigend zu respondiren sonst komme ich nach Leipzig, und lasse Sie keinen Augenblick allein, und lese Ihnen des Lieutenant Rellstab Gedichte vor, – wogegen die Qualen von Dante’s Inferno eitel Spaß sind. Wenn ich noch vierundzwanzig Stunden warten wollte, so würde ich Ihnen sagen können ob im Nebenzimmer ein Sohn oder ein Töchterlein, durch ihr Schreien mich lieblich ennüyirt, – aber noch ist nichts entschieden. Den Gregory behalten Sie also, sonst hätte ich ihn wohl längst zurück. Lassen Sie doch nochmals von R. Friese eine Recherche wegen meiner „Weingeister“ (Baßlieder) veranstalten; daß ich den ganzen Quark noch ’mal aus dem Gedächtniß aufschreiben soll, ist wirklich hart. Also auf alle Fälle umgehend Antwort!
Ihr
F. H. Truhn

Berlin 2 März 1838

Es will übrigens mit Gewalt Frühling werden, – ach! könnt ich ihm nur entgegen –

An Rob. Schumann
Wohlgeboren
F. H. Truhn Friedrichsstr. 108 parterre.

[BV-E, Nr. 877:] Mit Correspondenz.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 770ff.
 



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